Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623879
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Albrecht Dürer. 
von einem Boote belebte Wasser umrahmend, der Mitte des Hinter- 
grundes zu. Absichtlich wohl hält Dürer auf dem Blatte mit den 
4 Winden (B, 66) die Landschaft kahl und öde, während die ver- 
heerende Wirkung der wdies magnae iraer auf dem Blatt B. 68 in der 
phantastischen Landschaft sich zu erkennen giebt. Da schleudern zwei 
mächtige Hände einen feuerspeienden Berg in das empörte Meer, 
welches den gröfsten Raum der Scenerie einnimmt. Die Formen 
des Vulkans und die Uferfelsen rechts sind wild zerfetzt und die 
Flammen brechen aus der Erde hervor. Der vom Himmel fallende 
Feuerhagel schlägt in die Gebäude einer Stadt am Ufer, und alles 
spiegelt den gewaltigen Aufruhr, den die Posaunenstöfse der Engel 
heraufbeschworen, wieder. Nur im fernen Hintergründe glättet sich 
das Meer und die ganze Landschaft nimmt einen friedlichen Cha- 
rakter an. Einen wirksameren Gegensatz zur Hervorhebung der 
gewaltsamen Naturerscheinungen im Vordergrunde könnte man 
kaum ersinnen, als diese still ruhende Landschaft des Hintergrundes. 
Einfach aber grofsartig gedacht ist auch die Landschaft auf dem 
Blatte B. 70; das Gestade eines weiten, von Schiffen, Schwanen 
und einem Delphin belebten Gewässers nimmt die rechte Seite der 
vertikal geteilten Komposition ein. Der prächtige Eichbaum mit 
seinem knorrigen Geäst und sauber ausgeführten Laubwerk bildet 
auf der Linken einen guten seitlichen Abschlufs. Ruhig im Gegen- 
satz zu der lebhaften Kampfscene in den Wolken ist die Landschaft 
im Kampfe Michaels mit dem Drachen (B. 72), während der Hinter- 
grund des folgenden Blattes (B. 73) ziemlich verworren und unklar 
bleibt. Eine reiche Stadtarchitektur schliefslich zeichnet den Hinter- 
grund des letzten Blattes der Apokalypse (B. 75) aus. 
Die Blattfolge der grünen Passion (1504) zeigt, wie die meisten 
Passionsdarstellungen, eine in den Vordergrund gedrängte Kompo- 
sition und geringe landschaftliche Tiefe. Da Dürer hier nur mit 
3 Farbentönen operiert, oder, besser gesagt, die Gestalten aus dem 
grün angelegten Grunde durch aufgesetzte weifse Lichter und 
Federschraffierung herausmodelliert, erhält die Zeichnung eine plas- 
tische Schärfe, die zusammen mit der Hachen Komposition der- 
selben fast Reliefcharakter giebt. Zugleich nötigt diese Art der 
Zeichnung den Künstler zu einer schärferen Beobachtung der Licht-
        

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