Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623853
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Albrecht 
Dürer. 
wahrscheinlich, um die toten weifsen Massen, welche bei ruhiger 
Linienführung in der derberen Zeichnung des Holzschnittes ent- 
stehen würden, zu beleben. Für die Wolkenbildung, die am längsten 
eine gewisse Stilisierung behält, ist namentlich ein Vergleich der 
Holzschnittfolge der Apokalypse mit Kupferstichen, wie z. B. die 
xgrofse Fortunar, lehrreich. In beiden Werken, die zeitlich ein- 
ander nahe stehen, finden wir auch ein neues Kompositionsmotiv. 
Vorgänge, welche über den Wolken sich abspielen, hatte auch die 
ältere Kunst zu ihrem Vorwurf gewählt, und Analogieen für seine 
Art der Komposition mag Dürer vielleicht in flandrischen Dar- 
stellungen des jüngsten Gerichtes gefunden haben; trotzdem bleibt 
ihm das Urheberrecht für die eigenartige Auffassung derselben. 
Zwei Drittel des Bildraums nimmt der geschilderte Vorgang ein, 
und unter den Wolken breitet sich, wie aus der Vogelschau ge- 
sehen, die Landschaft aus. Die älteren Niederländer hatten bei 
solchen Darstellungen den Augenpunkt in mittlerer Höhe gewählt, 
Dürer versetzt sich, und damit auch den Beschauer, in die Wolken- 
region und läfst uns von dort wie aus weiter Ferne auf die irdischen 
Gefilde hinabblicken. Trotzdem weifs er die Landschaft stets in 
Beziehung zu dem oben sich abspielenden Vorgange zu setzen, sei 
es, dafs er, wie in der grofsen Fortuna den historischen Hintergrund 
seiner Allegorie, wie Thausing meint, eine im Schweizerkrieg den 
kaiserlichen Truppen verhängnisvolle Örtlichkeit  v. Zahn wies 
auf Heigersloch in Schwaben hin I)  in der Landschaft andeutet, 
sei es, dafs er, wie in der Apokalypse, die Wirkungen der himm- 
lischen Wunderzeichen auf Erden nachklingen läfst, sei es, dafs er, 
wie im Allerheiligenbilde (1511), die Feiertagsstimmung mit ihrer 
majestätischen Ruhe auch auf die friedlich sich ausbreitenden Ufer- 
gelände des unbewegten Gewässers überträgt, über dem der Himmel 
sich öffnet. 
Bei der Landschaft der grofsen Fortuna mufs schon die Ge- 
wissenhaftigkeit im einzelnen darauf hindeuten, dafs Dürer eine 
ganz bestimmte Örtlichkeit im Sinne hatte. In der Mitte des 
Thausing, 
242 Anm.
        

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