Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623793
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Albrecht 
Dürer. 
die PHanzenstudien behandelt. Den Hauptschatz derselben birgt 
die Albertina und die Bremer Kunsthalle. Auf der Studie der 
Albertina (Br. 590) sind Butterblumen, welche zwischen Gräsern 
und Lattichblättern aufschiefsen, bis auf die Härchen am Blattraxide 
genau wiedergegeben. Ebenso zart ist das Blatt mit Feldblumen 
in Bremen (Ephrussi 80) und die Butterblume derselben Sammlung, 
deren Blätter und Stile der Künstler, als handle es sich um eine 
botanische Demonstration, gesondert zeichnete. Neben der Blüte 
ist auch noch eine abgeblühte Butterblume im Federkleid gezeichnet. 
Andere Planzenstudien derselben Sammlung unterscheiden sich bei 
aller Gewissenhaftigkeit der Ausführung doch so bestimmt von den an- 
geführten Originalen, dafs wir sie aus dem Dürerwerk besser streichen. 
Was diese Pflanzenstudien Dürers von den miniaturaüig ausge- 
führten Pflanzen in den Vordergründen der älteren Meister unter- 
scheidet, ist einmal das mehr naturwissenschaftliche Verständnis 
im Gegensatz zu dem äußerlichen Gefallen an dem bunten Schmuck 
der Erdfläche, und zweitens die Art ihrer Verwendung. 
Welchen Gebrauch machte Dürer von diesen Naturstudien in 
seinen Werken? 
Lehrreichen Aufschlufs im besonderen Falle bietet uns der 
schon oben erwähnte Stich vAdam und Evas vom Jahre 1504. Die 
Felsstudie, welche er für denselben gemacht hatte, wird weit weni- 
ger individuell auf dem Stich wiederholt und derselbe Dürer, der 
so eifrige Baumstudien gemacht hat, verlegt die Scene des Sünden- 
falls unter einen Apfelbaum mit Feigenblättern und einen Kirsch- 
baum mit Doldenfrüchten. Um den Gestalten ein möglichst scharfes 
Relief zu geben, werden die dunkeln Baumstämme hinter dem Eltern- 
paar dicht geschart und in tiefe Schatten gehüllt. Ebenso bleibt 
die Felsenecke oben rechts, über der nur ein kleiner Fetzen vom 
Himmel zum Vorschein kommt, völlig im Dunkel. Dagegen ist 
das Getier, welches das Paradies bevölkert, Hirsch, Kuh, Hase, 
Katze, Ratte, Papagei, Steinbock und Vögel, weil es die Figuren- 
komposition nicht beeinträchtigt und gewissermaßen zur Darstellung 
des Paradieses als Wesentliches gehört, in aller Breite geschildert. 
Kurz, Dürer weifs seine Einzelstudien dem künstlerischen Ge- 
danken der Hauptdarstellung unterzuordnen. Wer da glaubte, unser
        

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