Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Alterthums
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2206032
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207278
Der griechische 
Styl. 
Rand desselben vom Fleische sich wohl deutlich abhebt, von dem- 
selben aber nicht vollkommen getrennt ist, wie wir dies in spä- 
teren Stylen finden werden. 
c) Das lesbische Kyma. 
Die Blätter dieses Ornamentes sind herzförmig und nach 
unten zu entschieden gespitzt. 
Sie haben die grösste Aehnlichkeit mit den Blüthenblättern 
der Dattura. Fig. 96_98. 
Die Darstellung ist hier so gedacht, dass in Folge einer be- 
deutenden Last die Spitzen der Blätter nach vorne herausgedräingt 
wurden, wodurch das Profil eine doppelte Krümmung erhielt. 
Die Blätter erscheinen hier übrigens, entsprechend ihrem 
Vorbilde, dem Blüthenkelche der Dattura, nicht von einander ge- 
trennt, sondern zusammenhängend, und zwar so, dass sie sich 
erst an der Stelle ihrer Ueberneigung von einander trennen, 
wodurch ein fortlaufender Contour entsteht, der zwischen je zwei 
Theilen eine Art Oese bildet. Auch hier sind zwei Reihen Blätter 
versetzt hintereinander gestellt. 
Dieses Ornament erhält seine Vollendung durch die Farbe, 
oder es ist nur in Relief gebildet, und gehört nur dem EItlIlSCh-jODi- 
sehen, jonischen und korinthischen Style an. 
Was von den Veränderungen der vorhergehenden Ornament- 
formen in späteren Stylen gesagt wurde, findet auch hier Geltung. 
Während die erwähnten Profilforlnen der Kymatia im Baue 
fast immer nur mit ihren eigenen Blattformen charakterisirt er- 
scheinen, treten doch auch reichere Formen auf, die aber immer mit 
dem Wesen der Darstellung, welches hauptsächlich mit der Rich- 
tung der Pflanzenformen zusammenhängt, übereinkommen. Fig. 99. 
Da das Kyma überall dort angewendet ist wo im Baue eine 
Belastung stattfindet, so wird es auch, nachdem die Function des 
Lastens und Abstützens hier die grösste Rolle spielt, an den 
meisten Theilen des Baues, so am Capitell, Architrav, Fries, Kranz- 
gesimse etc., verwerthet. 
3. Die Cannelirung. 
Alle nach rundem Querschnitte geformten cylindrischen Stützen, 
wie der Säulenstamm, Candelaberschaft u. s. W., erhalten an ihrer 
Manteliiäche Rinnen, Furchen, Verdickungen, welche den ganzen 
Schaftumgeben und mit der Richtung der Axe desselben parallel laufen. 
Diese Rinnen und Stäbe linden sich in der Natur haupt- 
sächlich an den Stengeln derjenigen Pflanzen, welche bei verhält-
        

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