Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Alterthums
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2206032
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207195
Der griechische 
Styl. 
Der Ausdruck der statischen Verrichtung der einzelnen 'l"l1eile 
wird hauptsächlich in der Richtung der denselben angefügten Qrna- 
mente oder was dasselbe ist, in ihrem organischen XVesen zu er- 
kennen sein. 
Die dritte Art der Decoration wird mit der conventionellen 
Bedeutung gewisser Pflanzen- und Thierformen, (Lorbeer, Epheu, 
Schwan, Eule etc.) zusammenhängen oder mit mythologisch-cultlichen 
Darstellungen der menschlichen Gestalt in allgemein bekannten und 
verständlichen Aeusserungen, welche ganz unverkennbare Bezüge des 
betreffenden Geräthes oder Bautheiles andeuten. 
Dieser bestimmte Zusammenhang in den Formen der 
Decoration und Construction schliesst die blos willkürliche Bildung 
und Anbringung des Ornamentes aus, wodurch eine bestimmte Ge- 
setzmässigkeit und Klarheit in die griechischen Gebilde kommt, 
welche sie von solchen anderer Style wesentlich unterscheiden. 
Die Klarheit liegt aber auch in der Ausbildung der Or- 
namentform selbst, welche bestimmt und einfach in den 
Umrissen, durchaus organisch und, richtungsvoll in der Ent- 
wicklung ist. 
 Die griechische Ornamentil: vermeidet, die Pflanzen- und Thier- 
form direct aus der Natur zu übertragen, sie verändert vielmehr 
die Form in ihrem Sinne mit Beibehaltung des klaren natürlichen 
Organismus in der Natur. 
Die Piianzen- und Thierform der Natur entno1nn1en, behält nur 
das Edelste und Beste bei, befreit sich aber von allen Zufällig- 
keiten und Unregelmässigkeitexi, die einer klaren Darstellung abträg- 
lich wären. Wir erkennen in dem Ornamente keine Verzerrung 
und Verstümmelung der Naturform, sondern Vielmehr eine wahre 
Veredelung für den gegebenen Zweck. 
Es ist dasselbe daher frei von jedem Naturalismus und in den 
meisten Fällen, im Gegensatze zur Natur, durchaus symmetrisch 
gebildet. 
In jedem griechischen Ornamente werden wir eine bezeichnende Klar- 
heit entdecken können. Sie beruht darauf, dass wir bei den der Natur 
entnommenen Formen auch dann noch Entstehung, Hauptrichtung und 
Bewegung des Stengels, Anordnung von Bliithe und Frucht sofort 
deutlich erkennen; es ist hier keine absichtliche Verwirrung und Ver- 
schlingung der Formen einzeln und im Ganzen bezweckt. 
Formen unmittelbar aus der Natur entnommen, sowie sie sich dort 
finden, giebt es in der griechischen Ornamentik nicht, alles trägt den 
Stempel einer Umwandlung entsprechend dem Gegenstande, welcher 
zu decoriren, und der Art und XVeise, (Älaterial und Technik) in welcher 
die Ornamentirung auszuführen ist.
        

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