Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Alterthums
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2206032
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207785
Der 
FÖIUiSChB 
Styl. 
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Thierwelt, und die der ältesten handwerklichen Erzeugnisse auch 
verwerthet, doch ist das römische Ornament nicht als eine un- 
und 
hier 
mittelbare Uebertragung und Stylisirung derselben anzusehen, sondern 
als Nach- und Weiterbildung des aus dem griechischen Style Ueber- 
kommenen. 
Die Art der Verwerthung der Elemente war zumeist 
schon von den Griechen gelöst, und konnte diese Arbeit der 
Hauptsache nach nicht mehr in Frage kommen, da so viele bau- 
liche Gesammtanordnungen mit ihren Ornamenten als unverrück- 
bares Ganzes in den neuen Styl übergingen. Nur wo die späteren 
Formen des Gewölbebaues eine directe Gesammtübertragung des 
Gegebenen nicht zuliessen, werden die Ornamentformen nach dem 
Massstabe gefälligerVertheilung den neuen Structivformen angepasst. 
Somit ist die Darstellung von Zweck und Verrichtung der ein- 
zelnen Bautheile durch das Ornament nirgends mit Absicht, sondern 
wo es geschehen, nur durch eklektische Uebertragung erreicht; sonst 
aber ist der Hauptzweck bei Anbringung des Ornamentes nur der des 
Schmückens. 
Nur wo das Ornament dircct mit der Baustructur dem grie- 
chischen Style entnommen ist, wird es als Ausdruck statischer Function 
erscheinen, wo dieser Zusammenhang nicht vorhanden ist, verliert es, 
von den Römern selbstständig erbildet, seinen engen Bezug zur Structur. 
Mit der willkürlichen Vertheilung des Ornamentes geht eine 
geringere Klarheit in derErscheinung des tektonischen Gebildes Hand 
in Hand, da zu oft das Verhältniss des Ornamentes zur Architektur 
missverstanden ist. Hierzu kommt noch der Hang nach grösserem 
Naturalismus, der der Stylisirung weniger Einfluss auf die Ver- 
änderung der Naturformen einräumt, als im griechischen Style. 
Was über die Vereinigung von Formen verschiedener Pflanzen 
und Thiere beim griechischen Style gesagt wurde, kann auch hier 
Geltung behalten, doch wird dieselbe auch grossentheils ohne 
einen mythologisch symbolischen Zweck, in blos decorativer Ab- 
sicht stattgefunden haben. 
Wo dies am meisten der Fall war, in den sog. pompejanischen 
Decorationen, sind die Greife, Harpien, Kentailren, so weit sie zum 
Ornamente gehören, als blosse Decorationsmotive anzusehen. 
Das römische Ornament ist vor Allem plastisch oder die ge- 
malte Darstellung eines plastischen Ornamentes. 
Wo das Ornament in Relief gebildet wird, ist es zumeist 
ein Hochrelief das aber auch in den meisten Fällen sichwkaum 
durch etwas Anderes, als das Anlehnen an eine Fläche als Relief 
kennzeichnet, während die Ausführung, der einer ganz plastischen
        

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