Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Alterthums
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2206032
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207622
Der 
römische 
Styl. 
1I7 
wie ein einziger dreigetheilter Balken gebildet, in senkrechter Rich- 
tung zur Wandfläche, nach jeder Säule hinüber. 
Durch die Verkröpfung des Gebälkes kommt ein von dem 
griechischen Style verschiedener Rhythmus in die Gebälkarchitektur. 
Der Gegensatz der Richtung des Gebälkes zu der Richtung der 
Säulen als Ausdruck der lastenden Theile einerseits, der stützenden 
andererseits, tritt nicht mehr so deutlich hervor wie früher. 
Das senkrechte Lineament der Säulen- oder Pilasterstellung findet 
in den coulissenartig gestellten Partien des verkropften Gebälkes 
eine Fortsetzung. 
 Die Durchschneidung der horizontalen Linien macht sich 
aber ausserdem noch stärker dadurch geltend, dass auch, wie bei 
Fig. 155, die Attika, der hohe wandartige Aufsatz über dem 
Gebälke- in gleicher Weise verkröpft und jede Säule für sich 
auf ein Postament gestellt wird. 
Mit der ebenerwähnten Anordnung tritt die rein decorative 
Verwerthung des Gebälkes als dreigetheiltes Gesims und die volle 
Veränderung des Rhythmus der Gebälkarchitektur hervor. An die 
Stelle des Gleichgewichtes zwischen tragenden und lastenden 
Theilen kommt der Ausdruck des Aufstrebens in überwiegender 
Weise zur Geltung. 
Dem Beginne des zweiten Jahrhunderts n. Chr. gehört die Los- 
lösung einzelner Säulen aus ihrem Zusammenhänge mit dem Ge- 
bälke und die Verwerthung derselben in rein decorativem Sinne als 
Träger von Porträtstatuen an. 
Der Gewölb- und Bogenbau bedarf als sichere Stützen 
der Wände und Pfeiler. Die Wände sind je nach Erforderniss 
und Anordnung mit Nischen versehen oder mit Fensteröffnungen 
durchbrochen. DieWandHächen zwischen denselben erhalten eine 
Auszier, welche ihren formalen Apparat dem Gebälk- und Säulen- 
bau entnimmt.  
Wo das Gebälk in dieser Weise Verwerthet Wird, ist es in 
seiner Dreitheilung nicht mehr der äussere Ausdruck einer dahinter 
liegenden horizontalen Decke, sondern es ist ein dreigetheiltes 
Gesims ohne constructive Bedeutung, das mit den vorgelegten Halb- 
säulenoder Pilastern nur zu einer rhythmischen Gliederung der Wand 
führen soll. Fig. 156 und 157. 
Wo die Wand mit horizontal überdeckten Oeffnungen durch- 
brochen ist, erfährt dieser Aufbau keine wesentliche Veränderung 
und nimmt zum Theil sogar constructive Bedeutung an, soferne
        

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