Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Alterthums
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2206032
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207608
römische 
Styl. 
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eigenes hohes Postament hat, wird dadurch der architektonische 
Zusammenhang der Ordnung bedeutend gelockert. 
Die Basis der Säule ist die reiche composite, der Säulen- 
schaft wie an der korinthischen Säule mit 24 Cannelirungen versehen. 
Das Capitell besteht aus zwei Theilen. Der untere ist ein 
Doppelkelch aus Akanthusblättern, der die Hälfte der Capitellhöhe 
einnimmt, diesem aufgelegt ist ein reiches jonisches Capitell mit 
vier Eckvoluten. Durch diese Uebereinanderhäufung von Formen 
ist die Höhe des Capitells nun sehr bedeutend, der Eindruck des- 
selben ein sehr reicher, aber auch sehr unorganischer, da das 
Gezwungene der Combination des Akanthuskelches mit dem darüber- 
liegenden Kyma durch keine verbindende Form beseitigt wird. 
Das Gebälk trägt allen Reichthum an Gliedern und Orna- 
menten plastisch derb zur Schau. Die letzteren überwuchern den 
Kern der Architektur nun vollkommen, so dass kaum mehr eine ruhige 
Fläche, die Haupttheile des Gebälkes charakterisirend, sichtbar bleibt. 
War bis jetzt die aus der Construction hervorgegangene Drei- 
theilung des Gebälkes immer, wenn auch in blos decorativem Sinne, 
respectirt, so treffen wir in der Spätzeit zuweilen Architrav und 
Fries an der Vorderseite der Gebäude in der Länge einer oder 
mehrerer Säulen- oder Pfeilerachsenweiten zu einer grossen Schrift- 
tafel zusammengezogen. (Siehe Fig. 166.) 
In der Spätzeit wird der Schaft des Pilasters der korin- 
thischen und compositen Ordnung entweder cannelirt oder es wird 
dessen Fläche zu einem umrahmten Felde, das mit aufsteigendem 
Rankenornalnente oder mit einem aus PHanzen, Figuren und 
Trophäen gebildeten Ornamente gefüllt ist. (Siehe Fig. 164 und I66.) 
Die Karyatide ist im römischen Style in demselben Sinne 
gebildet wie im griechischen. 
In einzelnen erhaltenen Beispielen, Fig. 154, treten vor den 
Schaft viereckiger Pfeiler einzelne Figuren, welche wie die Figuren 
eines plastischen Frieses blos als äusserlich decoratives Füllorna- 
rnent anzusehen sind. 
Da diesen Figuren der Ausdruck 
fehlt, dürfen sie nicht als Karyatiden 
werden. 
des Stützens und Tragens 
oder Atlanten bezeichnet 
Der F ries der korinthischen undcompositen Ordnung erhält von 
der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts eine im Proßle Segment- 
förmige Ausbauchung, die nur in der Absicht auf Bereicherung 
der Gesammtfiguration entstanden sein konnte. (Siehe F ig. 166.) 
SFR
        

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