Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Alterthums
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2206032
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207356
Der 
Styl. 
griechische 
Für die Ornamentirung von Fussböden und Wandflächen fehlen 
die genügenden Beispiele, und lässt sich auf dieselbe nur durch 
Analogie mit den römischen schliessen. 
Alle unter den letzten 6 Punkten besprochenen Ornament- 
formen drücken Verrichtung und Zweck der Constructionstheile 
aus, sie deuten auf diese verschiedenen Zwecke in ihrer verschie- 
denen Anordnung hin; doch ist in keinem Falle die Absicht damit 
verbunden, glauben zu machen, als wären die Blätter des Kymas 
oder Capitells die wirklichen Träger der Last oder als 0b die 
Decke wirklich aus Gurten und Teppichen bestünde. Das bztuliche 
Ornament trägt, bindet und stützt gar nicht, sondern ist nur ein 
Sinnbild des Tragens, Stützens u. s. w. 
Auch die griechische Karyatide ist nur ein Sinnbild des 
Tragens, sie deutet durch ihre Stellung die Function des Tragens 
an und ist dadurch, im Gegensatze zu den Atlanten der Barok- 
zeit, gleichwerthig mit der übrigen Ornamentik, welche nur in 
richtigen Verhältnisszahlen spricht, nie aber die messbare Kraft- 
leistung darstellt. 
Die Scamillen über den Kymatien und Capitellen, wie unter 
den Basen etc. weisen darauf hin, dass die Kunstformen nur eine 
sinnbildliche Bedeutung haben. 
Neben der früher erwähnten Symbolik spielt in der griechi- 
schen Ornamentik die Symbolik der mythologischen und cult- 
lichen Bezüge eine grosse Rolle. 
Da fast jede Pflanze, jedes Thier an mythische Ereignisse 
geknüpft war, musste der Anblick ihrer Formen immer wieder an 
solche Bezüge erinnern. 
Besonders war es aber die Darstellung des Menschen, welche 
in solcher Ideenverbindung zu dem hervorragendsten und wichtigsten 
Ornament sowohl des Baues als auch des Geräthes wurde. 
Wie das Püanzenornament, fügt sich auch die ngürliche Dar- 
stellung, sei sie nun flach, in Relief oder ganz plastisch ausgeführt, 
vollkommen den architektonischen Gesetzen der Anordnung, wie 
sie bisher besprochen wurden. Als bedeutungsvollstes Ornament 
sind ihr auch die wichtigsten Stellen des Baues, die Flächen der 
Friese und Giebeldreiecke, eingeräumt. 
 muss hier daran erinnert werden, dass die Blätter, welche 
als Ausdruck des Stützens und 'l'ragens an den Kymatien und Capi- 
tellen Verwendung fanden, keine mythologischen und cultlichen Bezüge 
repräsentiren; ganz so wie dies auch für die 'l'änien und "Forenges 
Hechte, welche zur Darstellung bestimmter Functionen im Baue ange-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.