Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011618
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Geschichte 
des Franz. 
Geistes 
_das Ende seines Lebens erlaubte er den Protestanten sogar wieder 
die Synoden zu halten, Welche durch ihre eigene Gewaltthatigkeit 
unterbrochen worden warenflö?) Zwischen dem Tode Richeliews 
und Ludwigs XIV. wirklichem Regierungsantritt verfloss eine Pe- 
riode von beinahe 20 Jahren, während welcher Mazarin mit wenig 
Unterbrechung an der Spitze des Staates stand; und in dieser ganl 
zen Zeit finde ich kein einziges Beispiel davon, dass ein Franzose 
seines Glaubens wegen bestraft worden wäre. Die neue Regierung 
war in der That so weit davon entfernt, die Kirche durch Unter- 
drückung der Ketzerei zu beschützen, dass sie vielmehr jene 
Gleichgültigkeit gegen kirchliche Interessen an den Tag legte, die 
jetzt eine "feste Maxime der Französischen Politik geworden war. 
Wie wir gesehen haben, hatte Richelieu den kühnen Schritt gethan, 
Protestanten an die Spitze der königlichen Armeen zu stellen; und 
dies hatte er aus dem einfachen Grundsatz gethan, dass es die 
erste Pflicht eines Staatsmannes sei, die talentvollsten Männer, die 
er finden kann, für sein Vaterland zu benutzen, ohne Rücksicht 
auf ihre theologischen Meinungen, mit denen, wie er sehr gut wusste, 
keine Regierung irgend etwas zu thun hat. Aber Ludwig XIII., 
dessen persönliches Gefühl den aufgeklärten Maassregeln seines 
grossen Ministers immer entgegen war, wurde durch diese gross- 
müthige Verachtung alter Vorurtheile beleidigt. Seine Frömmigkeit 
wurde durch den Gedanken, dass katholische Soldaten von Ketzer-n 
commandirt werden sollten, verletzt, und wie uns ein wohlunter- 
riehteter Zeitgenosse versichert, beschloss er, diesem Skandal gegen 
die Kirche ein Ende zu machen, und in Zukunft keinem Protestan- 
ten zu erlauben, den Marschallstab von Frankreich zu empfan- 
gen. m) Ob der König, wenn er gelebt hätte, dies durchgesetzt 
hatte, ist zweifelhaftfßtl) aber gewiss ist es, dass nur vier Monate 
nach seinem Tode Turenne, der talentvollste von allen protestan- 
152) Im J'ahre 1659 versammelte sich die Synode von Loudun, deren Leiter sagte: 
„es sind jetzt 15 Jahre, seit wir die letzte nationale Synode hatten." Qmßk, II, 517. 
253) Brienne berichtet den Entschluss des Königs "que ccite dignitä ne seroit plus 
accordäc ä des protestans." Sismondi XXIV, 65. , 
954) Er fühlte sieh so beängstigt über die Sünde, die er begangen hätte, dass er 
kurz vor seinem Tode die protestantischen Marsehälle beschwor, ihren Glauben zu 
ändern. "I! vze voulut pas mourir sans mzoiv" exlwrtä de m propre bouclz-e [es anwä- 
clzaux de la Force et de Ulzatillon ä se faire catholiqzees." Benoist, Hist. de Pädit du 
Nmztes II, (312. Lc Vassor, Hdst. de Louis XIII, X, part II, 785 erwähnt dasselbe.
        

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