Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011570
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des 
Geschichte 
Franz. 
Geistes 
das War der Letztere für die Politik. Aber während wir die Ver- 
dienste dieser ausgezeichneten Männer anerkennen, müssen wir 
uns doch erinnern, dass ihr Erfolg nicht nur das Ergebniss ihrer 
eignen Talente, sondern eben so sehr des ganzen Geistes ihrer 
Zeit war. Der Charakter ihrer Werke hing von ihnen selbst ab; 
die Art und Weise, wie diese aufgenommen wurden, hing von ihren 
Zeitgenossen ab. Wäre ihr Zeitalter abergläubischer gewesen, so 
würde man ihre Ansichten verachtet, oder wenn ja beachtet {sie 
als gottlose Neuerungen verschrien haben. Im 15. oder im Anfang 
des '16. Jahrhunderts wurde es dem Genie von Descartes und Riche- 
lieu an dem nöthigen Stoff zu seiner _Wirksamkeit gefehlt haben; 
ihre weitsehenden Geister würden in dem Zustande der Gesellschaft 
keinen Spielraum gefunden, keine Theilnahme erweckt haben; ihr 
Brod würde auf das Wasser geworfen worden sein, welches es 
nicht zurückgiebt. Und sie hätten sich glücklich schätzen können, 
wenn in einem solchen Falle Gleichgültigkeit die einzige Strafe 
gewesen wäre, mit der man sie heimgesucht hätte. Glücklich 
wären sie gewesen, wenn sie nicht in die Busse gefallen wären, 
welche viele von den berühmten Denkern gezahlt haben, die es 
vergebens versuchten, den Strom menschlicher Leichtglätubiglaeit 
aufzuhalten. Glücklich wären sie gewesen, wenn die Kirche sich 
nicht in ihrem Zorn erhoben hätte,  wenn Richelieu nicht als 
Verräther hingerichtet, und Descartes nicht als Ketzer verbrannt 
worden  wäre.   
In der That, die blosse Thatsache, dass zwei solche Männer, 
die auf einen so hervorragenden Platz dem Publikum vor Augen 
gestellt waren, und Ansichten durchsetzten, die so sehr gegen die 
Interessen des Aberglaubens" stritten, ohne ernstliche Gefahr leben, 
und dann" friedlich in ihren Betten sterben konntenfii")  die blosse 
Thatsachc, dass dies möglich war, ist ein entschiedener Beweis 
des Fortschritts, den die Französische Nation während der letzten 
fünfzig Jahre gemacht hatte. Mit solcher Schnelligkeit starben in 
2447)) Descartes starb in Schweden auf einer Besuchsreise zur Königin Christina; so 
dass genau genommen ein Irrthum im Text ist. Aber dies trifft unsere Erörterung 
nicht. Descartes Werke wurden in Frankreich eifrig gelesen und nicht verboten, und 
so mögen wird voraussetzen, er würde auch persönlich in seinem Vaterlande sicher ge- 
Wesen sein, wäre er dort geblieben, Einen Ketzer "zu verbrennen ist ein entschiede- 
nerer Schritt als sein Buch zu verbieten; und da. der Französische? Klerus nicht stark 
genug War, das Letztere zu erreichen, so ist es kaum wahrscheinlich, dass er das 
Erstere hätte durchsetzen können. 
        

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