Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011563
VOID. 
bis zum 
J ahrh. 
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Geometrie der Alten mit zur Schwächung jener ungehörigen Ehr- 
furcht, womit das Alterthum damals betrachtet wurde. In einem_ 
andern Gebiet von noch grösserer Wichtigkeit entwickelte er den- 
selben Geist und hatte denselben Erfolg. Er griff den Einfluss 
oder vielmehr die Tyrannei des Aristoteles so energisch an, dass 
seine Autorität gänzlich stürzte, obgleich die Aristotelischen An- 
sichten auf's genauste mit der christlichen Theologie verknüpft 
waren. 243) Damit gingen jene scholastischen Vorintheile zu Grunde, 
für die zwar Aristoteles nicht verantwortlich War, die aber unter 
dem Schutz seines mächtigen Namens viele Jahrhunderte lang den 
Verstand der Menschen verwirrt und den Fortschritt ihres Wissens 
aufgehalten hatten; 244)  
Dies waren die vornehmsten Dienste, welche einer der gröss- 
ten Männer, die Europa je hervorgebracht, der Civilisation leistete. 
Die" Aehnlichkeit zwischen ihm und Richelieu ist sehr auffallend, 
sie ist so vollkommen, als die Verschiedenheit ihrer Stellungen es 
nur erlaubte. Dieselbe Verachtung aller alten Begriffe, dieselbe 
Missachtung theologischerInteressen, dieselbe Gleichgültigkeit gegen 
die Ueberlieferung, dieselbe Entschlossenheit, der Vergangenheit 
die Gegenwart vorzuziehen; mit einem Wort, derselbe wesentlich 
moderne Geist zeigt sich in den Schriften von Descartes und in 
den Schritten von Richelieu. Was der Erstere für die Philosophie, 
wie sie deutlich eingesehen, ein theologischer Uebergriß in das Recht der Wissen- 
schaft sind. Ueber den Schaden, den dieses Studium angerichtet und wie sehr es 
den Fortschritt nnsers Wissens gehindert, darüber s. Robin et Trerdell, Chimie rmat. 
Paris 1853, I, 489, 493, 494, II, 555; Renouard, Hlst. de la mäd. I, 232, 237; 
Sprengel, Hist. de la anäd. II, 220; Geqfroy St. Hilaire, Hist. des anomalies de 
Porganisation III, 435, 436; Herder, Ideen zur Gesch. der Menschheit III, 270; 
Lawrencds Lectures an man, 36; Burdach, Traitä de pllyslol. I, 190. 
243) „Auf das Innigste verbunden mit der Theologie, nicht allein in den katho- 
lischen, sondern selbst auch in den protestantischen Ländern." Tennemann, Gesch. der 
Phil. IX, 516. Descartes schreibt 1629 in einem Briefe an Mersenne Oezw. VI, 73: 
Ulla thäologie, Zaqucllc an a telleaneni assujettie ä Aristote, qufil est ianpossible düaxpli- 
quer um: autre philosophie, qu'il m: senzlzle d'abord qu'elle soil coniv-e la fol." Vergl. 
VII, 344; VIII, 281, 497. 
244) Dr. Broum, phil. of the mind, Edinb. 1838, 172 nennt Descartes "jenen be- 
rühmten Empörer, der die Autorität des Aristoteles über den Haufen warf etc." 
Duuemet, Hist. de la Sorbonne II, 192; Ouvier, Hvlst. des sciences II, 532; Lackds 
Werks III, 48. Ich brauche kaum zu sagen, dass sich dies auf die Gewohnheit be- 
zieht: Aristoteles zu citiren, als wenn er unfehlbar wäre, und Sehr Verschieden Voll 
der Achtung ist, die 111111 natürlich für einen Mann fühlt, der wohl der grösste Denker 
im Alterthum war, Der Unterschied des Aristotelischen und Cartesianischen Systems 
wird Ziemlich obenhjn berührt in CMdWOTÜL, lutell. syslem, I, 170, 171. 
Buckle, Gesch. d. (Jivilisatiou. 1.2.  6
        

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