Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011522
VOIII. 
zum 
bis 
J ahrh. 
77 
gänzt, und wie die Generation hinter Hooker Chillingworth hervor- 
brachte, gerade so brachte die Generation hinter Montaigne Des- 
cartes hervor. Chillingworth sowohl als Descartes Waren ausnehinend 
skeptisch, aber ihr Skepticismus ging nicht gegen den menschlichen 
Vßßtßlld, Sendern gegen die Berufung auf Autorität und Tradition, 
ohne die nach der bisherigen Annahme der Verstand nicht mit 
Sicherheit iverfahren könne. Dass dies bei Chillingworth der Fall 
War, haben Wir schon gesehen. Es War ebenfalls so mit Descartes, 
und WO möglich noch auffallender; denn dieser tiefe Denker glaubte 
nicht nur, dass der Geist durch seine eignen Anstrengungen seine 
ältesten Ansichten ausrotten könne, sondern auch dass er ohne 
neuen Beistand ein neues und solides System an der Stelle des 
alten eingerissenen aufbauen könne. m) 
Dieses ausserordentliche Vertrauen auf "die Macht des mensch- 
lichen Geistes ist höchlich charakteristisch für Descartes, und hat 
seiner Philosophie jene eigenthümliche Erhabenheit gegeben, wo- 
durch sie sich vor allen andern Systemen unterscheidet. Er War 
so weit davon entfernt, zu denken, dass eine Kenntniss der Aussen- 
Welt zur Entdeckung der Wahrheit wesentlich nothwendig sei, dass 
er vielmehr den Grundsatz aufstellte, wir müssten damit beginnen, 
eine solche Kenntniss zu ignoriremm) dass der erste Schritt der 
998) Er unterscheidet sich deutlich von Leuten wie Montaigne: "Nun que 173m"- 
tasse pour cela Zes sceptiques, qui ne douimt gue pour douter, et ufectmt rfäh-e tau- 
jours irräsolus; car, am contraire, taut man dessein ne tendoit qufä müzssurer, et ä 
rqjcfer lrz terre mczwavztß ct le, sable 100m" trouver le T00 ou Vavgile." Discours de la 
onäilwzle, in (Jcuv. de Descartes, I, 153, 154.  
im) Nach Descartes Ansichten war sie zu iguorireu, nicht zu leugnen. Es findet 
sich in seinen Werken keine Ableugnung 'der Existenz der Aussenwolt; noch recht- 
fertigt die Stelle, die Herr Jobert, New system, of pkilos. II, l6_l, 162, London 1849 
aus ihm citirt, im Entferntesten die Deutung dieses geistreichen Schriftstellers, welcher 
Gewissheit im gewöhnlichen Sinne des Wortes mit Gewissheit im Sinne von Cartesius 
confundirt. Einen ähnlichen Irrthum begehen diejenigen, welche annehmen, dass sein 
"Je Pause, dann je suis" ein unvollkommner Schluss sei, und nachdem sie dies für 
zugestanden angenommen, sich gegen den grossen Philosophen wenden und ihm vor- 
werfen, dass er als ausgemacht voraussetze, was eben die Frage sei! Solche Kritiker 
übersehen den Unterschied zwischen einem logischen und einem psychologischen T10" 
2959, und daher sehen sie nicht, dass dieser berühmte Satz die Beschreibung eines 
geistigen Vorgangs und nicht die Aufstellung. eines verstümmelten Syllogismus ist. 
W91" Descartes" Philosophie studirt, muss immer zwischen diesen beiden Prozeduren 
unterscheiden, und sich erinnern, dass jede von ihnen ihre eigne Beweisordnung hat; 
oder muss jedenfalls bedenken, dass dies nach Descartes Meinung der Fall war. Vergl. 
ÜbOT jenes Cartesiunischc Entliymema Cousin, Hisl. de Zu. philosophio I, Serie IV, 512,
        

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