Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011514
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Geschichte 
Dies waren die Worte der Weisheit, die dieser grosse Lehrer 
an seine Landsleute richtete, wenige Jahre nachdem sie den letzten 
Religionskrieg, der in Frankreich geführt worden ist, zu Ende ge- 
bracht hatten. Die Aehnlichkeit dieser Ansichten mit denen, welche 
ungefähr um dieselbe Zeit Chillingworth vortrug, muss jedem Leser 
auffallen, darf ihn aber nicht überraschen, denn sie waren nur die 
natürlichen Erzeugnisse eines Zustandes der Gesellschaft, in Welcher 
zum ersten Mal das Recht des persönlichen Urtheils und die Un- 
abhängigkeit der menschlichen Vernunft festgestellt worden waren. 
Wenn wir auf diese Sache etwas näher eingehen, werden wir noch 
weitere Analogieen zwischen Frankreich und England finden. So 
sehr stimmen die Stufen des Fortschritts überein, dass Montaignes 
Verhältniss zu Descartes gerade das nämliche ist, wie das von 
Hooker zu Ohillingworth, das nämliche im "Unterschiede der Zeit 
und im Unterschiede der Meinungen. Ho0ker's Geist war wesent- 
lich skeptisch, aber sein Genie wurde durch die Vorurtheile der 
Zeit so zurückgehalten, dass er nicht im Stande war zu entdecken, 
dass dem Urthcil des Einzelnen die höchste Autorität zukomme 
und so verwickelte er dasselbe mit seinen Berufungen auf die 
Concilien und auf die allgemeine Stimme des kirchlichen Alter- 
thums, Hindernisse, welche Chillingworth 30 Jahre später mit Er- 
folg aus dem Wege räumte. Ebenso wie Hooker war Montaigne 
skeptisch, aber gleich ihm lebte er zu einer Periode, wo der Geist 
des Zweifels noch jung war, und das Gemüth noch vor dem An- 
sehen der Kirche zitterte. Es ist daher kein Wunder, dass selbst 
Montaigne, der so viel für seine Zeit that, Anstand nahm, die 
Fähigkeit des Menschen selbst, grosse Wahrheiten an den Tag zu 
bringen, anzuerkennen, dass er in seinem Laufe inne hielt und 
dass sein Skepticismus oft die "Form des Misstraucns in die Fähig- 
keit des Menschen annahmfr") Solche Mängel und Unvollkommen- 
heiten zeigen nur, wie langsam die Gesellschaft wächst, und wie 
unmöglich es selbst den grüssten Denkern ist, über einen gewissen 
Punkt hinaus ihren Zeitgenossen voran zu eilen. Aber mit dem 
Fortschreiten der Wissenschaft wurde dieser Mangel endlich er- 
des prinees, dßxterminer des peuples eniiers, pour eela seul QMWS M 8115476411 pa-s lßurs 
opinions." Les Passions de Puma, in Oezw. de Descartes, IV, 194 und 195. 
m7) Wie dies besonders klär wird in seinem langen Kapitel mit der Aufschrift: 
HApologie de Rdymond Schund." Essais de Monmigne L. II. C. XII, 270-382. 
Tennemann, Geschichte der Philosophie IX, 455.
        

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