Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011439
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Geschichte 
Geistes 
des Franz. 
nach der andern bemerkt, von der Verschiedenheit ihres Wissens 
abhängen, so leuchtet es ein, dass wir die Wirkung dieser Rich- 
tungen nur verstehen können, wenn wir einen weiteren Ueberhlick 
über den Grad und den Charakter dieses Wissens nehmen. Um 
also die wirkliche Natur des grossen Schrittes zu begreifen, der 
unter der Regierung Ludwig's XIII. gethan wurde, wird es nöthig, 
dem Leser einige Proben der höheren und wichtigeren Thatsachen 
vorzuführcn, welche die Geschichtschreiber zu vernachlässigen pfle- 
gen, ohne die aber das Studium der Vergangenheit ein müssiges 
und triviales Verfahren, und die Geschichte selbst ein unfruchtbares 
Feld ist, das keine Frucht trägt, und der Arbeit gar nicht werth 
ist, die auf den Anbau eines so undankbaren Bodens verwen- 
det wird. 
Während Richelieu mit so ausserordentlicher Kühnheit das 
ganze System der Französischen Politik verweltlichte, die ältesten 
Interessen ausser Acht liess, und so das älteste Herkommen in den 
Wind schlug, verfolgte in einer höheren Region ein Mann, der 
grösser als er war, einen ganz ähnlichen Weg, ein Mann der, wenn 
ich meine eigne Meinung sagen darf, der tiefste unter den vielen 
ausgezeichneten Denkern ist, die Frankreich hervorgebracht hat. 
Dies ist in der That ein höchst merkwürdiges Zusammentreffen. 
Ich spreche von Rene Descartes, und das Wenigste, was man von 
ihm sagen kann, ist, dass er eine Revolution hervorbrachte, die 
entscheidender war, als sie je irgend ein einzelner Geist bewirkt 
hat. Mit seinen bloss physikalischen Entdeckungen haben Wir es hier 
nicht zu thun, denn in dieser Einleitung maasse ich mir nicht an, 
den Fortschritt der Wissenschaft aufzuzeichnen, ausser" in den 
Epochen, welche eine neue Wendung in. den Gewohnheiten des 
nationalen Denkens anzeigen. Aber ich darf den Leser daran erin- 
nern, dass er der Erste war, der die Algebra mit Erfolg auf die 
Geometrie anwandteflol) dass er auf das wichtige Gesetz der Sinus 
2M) Thomas, Eloges in Oeuvo-es de Descartes, I, 32 sagt: vcet instmment, c'est 
Descartes qm? a crää; c'est Papplieationzle lbdlgäbre ä la Gfovnätric." Und dies ist 
im eigentlichen Sinne die genaue Wahrheit. Denn obgleich Vieta und zwei oder drei 
Andere im 16. Jahrhundert diesen Schritt anticipirt hatten, so verdanken wir doch 
Descartes die prächtige Entdeckung, dass es möglich sei, die Algebra auf die Geometrie 
der Ourven anzuwenden, und er war ohne Zweifel der Erste, der sie durch algebraische 
Gleichungen ausdiiickte. Siehe Montucla, Hist. des mathefmat. I, 704, 705; II. 120; 
m, 64.
        

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