Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011337
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Geschic" 
Franz. 
des 
Geistes 
sehr genau gehalten. Aber der Unterschied in den Absichten und 
Planen der beiden Parteien entsprach dem Unterschiede der Klas- 
sen, von denen jede regiert wurde. Die Protestanten standen 
hauptsächlich unter dem Einfluss der Geistlichkeit, sie machten 
daher religiöse Herrschaft zu ihrem Zweck. "Die Katholiken trach- 
teten unter der Leitung von Staatsmannern nach weltlichen, Erfol- 
gen. So hatten die Verhältnisse in Frankreich die ursprüngliche 
ltiohtung dieser beiden grossen Secten verwischt, dass durch eine 
sonderbare Verwandlung die Katholiken jetzt das weltliche, und 
die Protestanten das theologische Princip vertraten. Das Ansehen 
der Geistlichkeit, und in Folge dessen die Interessen des Aber- 
glaubens wurden von der nämlichen Partei aufrecht erhalten, 
welche der Verminderung von beiden ihren Ursprung verdankte, 
und wurden andererseits von der Partei angegriffen, deren Erfolg 
bisher von der bessern Aufnahme beider abgehangen hatte. Siegten 
die Katholiken, so wurde die geistliche Gewalt geschwächt, siegten 
die Protestanten, so wurde sie gestärkt. Von dieser Thatsache, 
so weit sie die Protestanten angeht, habe ich so eben hinlängliche 
Beweise gegeben, die ich sowohl aus ihrem eignen Verfahren, als 
aus der Sprache ihrer Synoden entnommen. Und dass das ent- 
gegengesetzteoder das weltliche Princip unter den Katholiken das 
vorwiegende war, erhellt nicht nur aus der unwandelbaren Politik 
der Regierungen Heinrichs IV. und Ludwigs XIII., sondern auch 
aus einem andern, sehr bemerkenswerthen Umstande. Denn ihre 
Beweggründe waren so augenfallig, und gaben der Kirche einen 
solchen Anstoss, dass der Papst, als der grosse Beschützer der 
Religion, sich für berufen hielt, jene Beiseitesetzung theologischer 
Interessen, die sie an den Tag legten, und die er für ein schreien- 
des und unverzeihliches Verbrechen hielt, zu tadeln. Im Jahre 1622, 
nur ein Jahr nach Anfang des Kampfes zwischen Protestanten und 
Katholiken machte er der Französischen Regierung ernstliche Vor- 
stellungen über die offenbare Ungebührlichkeit, deren sie schuldig 
sei, indem sie einen Krieg gegen Ketzer führe, nicht zu dem Zweck, 
die Ketzerei zu unterdrücken, sondern bloss in der Absicht, dem 
Staate jene weltlichen Vortheile zu verschalfen, welche nach der 
Ansicht aller Frommen als Dinge von untergeordneter Wichtigkeit 
zu betrachten seien. 173) 
'173) Siehe die Instruetionen von Gregor XV im Anhang zu Ranke, Päpste III, 
173, 174: .,Die Hauptsache aber ist, was er dem Könige von Frankreich vorstellen
        

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