Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011195
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Geschichte 
des Franz. 
Geistes 
durch eine seltsame, aber vollkommene natürliche Combination die 
Protestanten, die sich auf das Recht des persönlichen Urtheils stütz- 
ten, im Anfange des 17. Jahrhunderts unduldsamer wurden, als die 
Katholiken, die ihre Religion auf die Aussprüche der unfehlbaren 
Kirche gründeten. 
"Dies ist eins von den vielen Beispielen, welche zeigen, wie 
oberilachlich die Meinung jener speculativen Schriftsteller ist, welche 
glauben, die protestantische Religion sei nothwendig freisinniger, 
als die katholische. Wenn "die Anhänger dieser Meinung sich die 
Mühe gegeben hatten", die Quellen der Europäischen Geschichte 
nachzulesen, so würden sie entdeckt haben, dass die Liberalitat 
jeder Sccte ganz und gar nicht von ihrem Bekenntniss, sondern 
von den Verhältnissen, in denen sie lebt, und von der Gewalt, die 
ihre Priester besitzen, abhängt. Die protestantische Religion ist 
grösstentheils toleranter als die katholische, einfach darum, weil 
die Ereignisse, die den Protestantismus in's Leben riefen, zugleich 
die Bewegung der Intelligenz erhöht und die Macht der Geistlich- 
keit vermindert haben. Aber wer die Werke der grossen calvi- 
nistischen Gottesgelehrten gelesen und ihre Geschichte studirt hat, 
muss Wissen, dass im 16. und 17. Jahrhundert der Wunsch, ihre 
Gegner zu verfolgen, in ihrem Herzen eben so heiss brannte, als 
in den Herzen der Katholiken, selbst in den schlimmsten Tagen 
der päpstlichen Herrschaft. Dies ist eine blosse Thatsache, von 
der sich jeder überzeugen kann, der die Quellcndocumente dieser 
Zeiten zu Rathe ziehen will. Und selbst jetzt herrscht mehr Aber- 
glaube, mehr Bigotterie und weniger Menschenliebe einer wahren 
Religion bei den niedern Standen der Schottisehen Protestanten, als 
bei denen der Französischen Katholiken. Und doch könnte man 
für eine Stelle der Intoleranz in der protestantischen Theologie 
leicht zwanzig in der katholischen nachweisen. In Wahrheit Wer- 
den aber die Handlungen der Menschen nicht durch Dogmen, Text- 
bücher und Glaubensartikel, sondern durch die Meinungen und 
Sitten ihrer Zeitgenossen, durch den allgemeinen Geist der Zeit 
 
oette äpretä et oette inßexibilitä tkäologigues, qm" semblent chamotäriser les prätres de 
tautes les religiong, et qui donnent ä leurs lzvaines um amertume plus qfensante". S58- 
mondi, bist. des Frangais XXII, 8T. Vergl. 478. Im "Jahre 1621 sah "Rohan selbst 
seine Operationen fortdeuernd durch das Generalconseil der Kirchen behindert". 11a- 
valläe, hist. des Fraxngais III, 88. In demselben Jahre sagt Oapejigue, Richelieu I, 271: 
„Le purti modärä cessa d'avoir action zur Ze präche; la direction des foroes lmgumotes 
ätait passäe dans les mains des ardents, oonduits pur les ministres".
        

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