Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011158
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Geschichte 
des Franz. 
Geistes 
gange der Civilisation- der Spielraum des Geistes; sein Horizont 
gewinnt an Urnfangq seine Theilnahme vervielfältigt sich; und so 
wie seine Ausflüge mehr in die Weite gehen, lässt die Hartnäckig- 
keit seiner Haltung nach, bis er am Ende einzusehen beginnt, dass 
die unendliche Menge der Verhältnisse nothWendig auch eine un- 
endliche Meinungsverschiedenheit hervorbringt; dass ein Glaube, 
der gut und natürlich für den Einen ist, für den Andern schlecht 
und unnatürlich sein mag, und dass wir, weit entfernt, uns in den 
Gang religiöser Ueberzeugungen zu mischen, uns damit begnügen 
sollten, in unser eignes Inneres zu blicken, unsre eignen Herzen 
zu erforschen, unsre eignen Seelen zu einigen, das Schlechte 
an unsern Leidenschaften zu mildern, und den unverschämten 
unduldsamen Geist, der zugleich die Ursache und die Wirkung 
aller theologischen Zänkerei ist, gänzlich auszurotten. 
In dieser Richtung thaten die Franzosen in der ersten Hälfte 
des 17 Jahrhunderts einen erstaunlichen Schritt. Unglücklicher Weise 
aber wurden die Vortheile, die daraus entsprangen, von ernstliehen 
Rückschlägen begleitet. Aus der Einführung weltlicher Rücksichten 
unter die Anführer der Protestanten entstanden zwei Folgen von 
beträchtlicher Bedeutung. Die erste war, dass manche von ihnen 
ihre Religion änderten. Vor dem Edict von Nantcs waren sie 
unaufhörlich verfolgt worden, und hatten sich ebenso unaufhörlich 
vermehrtm) Aber unter der toleranten Politik Heinrichs IV. und 
Ludwigs XIII. verminderten sie sich fortdauerndß?!) Dies War in 
der That die natürliche Folge von dem Anwachsen des weltlichen 
Geistes, der überall die religiösen Feindseligkeiten gemässigt hat. 
Denn durch die Thätigkeit dieses Geistes begann der Einfluss 
socialer und politischer Gesichtspunkte die theologischen Gesichts- 
punkte zu überwiegen, auf die die Geister der Menschen so lange 
beschränkt gewesen waren. Wie diese weltlichen Bande an Stärke 
m) Siehe Benoist, Hishde l'e'dz't de Nantes I, 10, 14, 18; De Tim-u kist. mpiv. 
III, 181, 242, 357, 358, 543, 558, IV, 155; Relal. des Ambassadeurs Vänitiens I, 412 
536, II, 6,6, 74; Bankefs Civil wars in Franae I, 279, 280, II, 94. 
m) Vergl. Hallarrfs Const. bist. I, 173 mit Ranke, die Päpste II, 477-79. 
Trotz der wachsenden Bevölkerung verminderten sich die Protestanten sowohl an sich, 
als auch im Verhältniss zu den Katholiken; 1598 hatten sie 760 Kirchen, 1619" nur 
700. Smedlegfs bist. of the Reforme rel. in France III, 46, 145. De Thou, in der 
Vorrede zu seiner Geschichte I, 320 bemerkt, die Protestanten hätten sich während 
der Kriege gegen sie vermehrt, im Frieden aber sowohl an Zahl, als auch an Ansehn 
abgenommen,
        

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