Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011148
VOIII 
bis zum 
Jahrh. 
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es sogar möglich wäre, die Irrthümer der Ketzerei mit allen Fähig- 
keiten eines guten und vollkommenen Bürgers zu verbindenßm) 
Aber während die gehässigen Zerwürfnisse, durch die Frank- 
reich so lange zerrissen gewesen war, unter Richelieus Politik sich 
alhnällg Verloren, muss man die sonderbare Bemerkung machen, 
dass zwar die Vorurtheile der Katholiken sichtbar abnahmen, die 
der Protestanten hingegen eine Zeitlang sich in ihrer ganzen Starke 
erhielten. Es ist in der That ein auffallender Beweis von der Ver- 
kehrtheit und Hartnäckigkeit solcher Gemüthszustande, dass die 
Protestanten gerade in dem Lande und in der Zeit, wo sie am 
besten behandelt wurden, sich am ungeberdigsten betrugen. Und 
in diesen, wie in all solchen Fallen, war die Hauptursache der 
Einfiuss des Standes, dem Verhältnisse, die ich sogleich erklären 
werde, einen zeitweiligen Aufschwung gegeben hatten. 
Denn die Abnahme des theologischen Geistes hatte unter den 
Protestanten eine merkwürdige aber sehr natürliche Richtung. Die 
zunehmende Toleranz der französischen Regierung hatte ihren Füh- 
re1'n Vortheile erreichbar gemacht, die sie früher nie hatten erlan- 
gen können. So lange dem protestantischen Adel alle Aemter 
verschlossen waren, mussten sie natürlich mit grösserem Eifer an 
ihrer Partei festhalten, da von ihr allein ihre Verdienste anerkannt 
wurden. Als aber einmal das Princip anerkannt war, dass der 
Staat die Menschen nach ihrer Fähigkeit ohne Rücksicht auf ihre 
Religion her-vorziehen werde, trat in jede Secte ein neues Element 
der Zwietracht ein. Die Führer der Protestanten mussten natürlich 
einige Dankbarkeit, jedenfalls einigeslnteresse für die Regierung 
fühlen, die sie in Dienst nahm; so wurde der Einfluss weltlicher 
Rücksiehten gestärkt, und die Macht der religiösen Bande noth- 
wendig geschwächt. Es ist unmöglich, dass entgegengesetzte Ge- 
sinnungen in demselben Augenblicke dasselbe Gemüth beherrschen. 
Je weiter die Menschen ihren Gesichtskreis ausdehnen, desto weni- 
ger machen sie sich aus all den Einzelheiten die ihn ausfüllen. 
Patriotismus ist ein Correctiv für den Aberglauben; und jemehr 
wir uns für unser Vaterland einnehmen lassen, desto weniger 
interessiren wir uns für unsre Secte. So erweitert sich im Fort- 
m) Spät im 16. Jahrhundert musste Duplessis MorllßY den Satz aufstellen, der 
von den meigtgn Menschen für einen unglaublichen Widersinn gehalten wurde: "que 
ce näzstait pas 011,080 inwmpatgble Üyesgq-g bpn hugumot ei 61m Fmngois tout cnsemlzle." 
Dußlß-Y-Yis, Man e; Cprresp. I, 146. Vergl. 213, II, 45, 46, '77, 677, VII, 294, XI, 
31: 68? interessante Stellen für die Geschichte des Geistes in Frankreich.
        

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