Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014554
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Unmittelbare 
der 
Ursachen 
Franz. 
Revolution. 
wendbar auf die Kirche gehalten hatte, zum ersten Mal auf den 
Staat angewendet wurden. Gleichzeitig mit dieser Bewegung und 
in der That zu ihr gehörig, traten Verhältnisse von derselben Art 
ein; jetzt gelang es den politischen Oekonomen zu beweisen, dass 
die Einmischung der regierenden Klassen selbst den materiellen 
Interessen des Landes grossen Schaden zugefügt hatte, und dass 
ihre Schutzmassregeln dem geschadet, dem sie hatten nützen wollen. 
Diese merkwürdige Entdeckung zu Gunsten allgemeiner Freiheit 
gab der demokratischen Partei neue Waffen in die Hand, und ihre 
Stärke wurde noch vermehrt durch die Beredtsamkeit ohne Gleichen, 
womit Rousseau das Bestehende angritf. Gerade die nämliche Ten- 
denz entwickelte sich in dem ausserordentlichen Anstoss, den jeder 
Zweig der Naturwissenschaft erhielt; hiedurch wurden die Menschen 
mit den Ideen des Fortschritts vertraut und mit den stationären 
und conservativen Vorstellungen, welche den Regierungen natürlich 
sind, in Conflict gebracht. Die Entdeckungen über die äusserliche 
Welt bewirkten eine Unruhe und eine Aufregung des Geistes, 
die der Routine feindlich und daher voll Gefahr für Institutionen 
war, die sich nur durch ihr Alter empfahlen. Diese Leidenschaft 
für Naturkunde bewirkte auch eine Veränderung in der Erziehung, 
und durch die Vernachlässigung der alten Sprachen trennte sich 
ein anderes Glied von der Kette los, welche die Gegenwart mit 
der Vergangenheit verbindet. Die" natürliche Beschützerin alter 
Meinungen, die Kirche, konnte der Leidenschaft für Neuerung nicht 
widerstehen, denn sie wurde durch Verrath in ihrem eignen Lager 
geschwächt. Um diese Zeit nämlich hatte der Calvinismus sich 
unter der Französischen Geistlichkeit verbreitet, sie in zwei feind- 
liche Parteien getheilt, und es ihr so unmöglich gemacht, sich 
gegen ihren gemeinschaftlichen Feind aufzuraifen. Das Anwachsen 
dieser Ketzerei war auch darum bedeutend, weil der Calvinismus 
durch seinen wesentlich demokratischen Geist eine revolutionäre 
Gesinnung selbst in den geistlichen Stand einführte, und so be- 
gleitete ein zweiter Streit zwischen der Regierung und der Kirche 
den Streit in der Kirche selbst. Dies waren die Haupterschei- 
nungen der ausgebreiteten Bewegung, die in der Französischen 
Revolution ihren höchsten Punkt erreichte; und alle mit einander 
kündigten einen so anarchischen und so durch und durch dcsorga- 
nisirten Zustand der Gesellschaft an, dass über eine grosse bevor- 
stehende Katastrophe kein Zweifel sein konnte. Zuletzt, und als 
Alles zur Explosion bereit war, {iel die Nachricht von dem Ameri-
        

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