Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014466
Unmittelbare 
der 
Ursachen 
Fianz. 
Revolution. 
371 
auch einen neuen Masstab des Verdienstes. In dem Amphitheater 
und Hörsaal ist der Hauptgegenstand der Aufmerksamkeit der Pro- 
fessor, der die Vorlesung halt. Alles theilt sich in Lehrer und 
Lernende. Die Unterordnung des Ranges verschwindet vor der 
Unterordnung des Wissensßw) Den kleinlichen und conventionellen 
[Intel-schieden des vornehmen Lebens folgten die grossen und wahß 
ren Unterscheidungen, durch die allein Mensch von Mensch wirk- 
lieh unterschieden ist. Der Fortschritt des Geistes schafft einen 
neuen Gegenstand der Verehrung; die alte Verehrung des Ranges 
wird hart unterbrochen und seine aberglaubischen Anbeter hören, 
dass sie ihr Knie beugen sollen vor dem Altar eines ihnen fremden 
Gottes. Die Halle der Wissenschaft ist der Tempel der 
Demokratie. Die zu lernen kommen, bekennen ihre eigene Un- 
wissenheit, legen in gewissem Grade ihre eigene Ueberlegenheit 
ab, und beginnen zu begreifen, dass die Grösse der Menschen 
nicht an dem Glanze ihrer Titel oder der Würde ihrer Geburt 
hänge, dass sie nichts zu thun hat mit ihren Wappenfeldern, ihren 
Wappensehildern, ihren Ahnen, ihren rechten Helmbüschen oder 
ihren linken Helmbüschen, mit ihren Wappenbalken, ihren getheil- 
ten Feldern, ihren blauen Feldern, ihren rothen Feldern und andern 
Possen der Heraldik, sondern dass sie von der Grösse des Geistes, 
von der Macht des Verstandes und von der Fülle seiner Kennt- 
nisse abhängt. 
Dies waren die Ansichten, die in der letzten Hälfte des 18.- Jahr- 
hunderts auf die Klassen zu wirken begannen, die so lange die 
unbestrittenen Herren der Gesellschaft gewesen waren. m) Und 
die Starke dieser grossen Bewegung wird noch mehr hervorge- 
hoben durch die übrigen sie begleitenden socialen Veränderungen. 
m") Ein berühmter Schriftsteller hat, obgleich aus einem etwas verschiedenen 
Gesichtspunkt, sehr gut gesagt: „ln den ethischen Wissenschaften kann es eben so 
wenig als in den Naturwissenschaften weder Herren noch Sklaven, weder Könige noch 
Llnterthanen, weder Bürger noch Ausländer geben." Comle, Traiiä de lriqislalion I, 43. 
497) Die Bemerkungen, die Thomas über Descartes im Jahr 1765 macht, in einem 
"Klage," der von der Akademie gekrönt winde, zeigen uns die Ansichten, die sich in 
der letzten Hälfte des lS. Jahrhunderts reissend schnell in Frankreich verbreiteten- 
Sichc die Stelle, die anfängt: „O przfiu gäs! ö ridiczele ßertä des places et du rang!" etc. 
Ocwrros de Descartes I, 74. Sicher würde Niemand dreissig Jahre früher solche 
Sprache geführt haben. Ebenso sagt auch der Graf Sögur von den jüngeren 
Adeligen vor der Revolution: "Nom- pvvfflfrions 1m mal rfflogcs rfililmnberi, de Diderol, 
ä In füfßell?" In plus sigmaläc d'un prince." Mäm. da Sägur l, 142; s. auch l1,_ 46. 
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