Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011014
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Franz. 
des 
Geschichte 
Geistes 
vater Ludwigs XIII., war, wie es scheint, dem Beispiel seiner 
Vorgänger gefolgt und hatte seinem königlichen Beichtkinde seine 
politischen Ansichten einzuilössen gesucht. m) Aber sobald Riche- 
lieu dies hörte, entliess er ihn aus seinem Amte und verbannte 
ihn; denn, sagte er verächtlich: „der kleine Vater Caussin sollte 
sich nicht in Regierungsangelegenheiten mischen, weil er einer von 
Denen ist, die gänzlich in der Naivetat eines religiösen Lebens 
aufgewachsen sindß") Auf Oaussin folgte der berühmte Sirmond, 
aber Richelieu wollte dem neuen Beichtvater nicht erlauben, sein 
Amt anzutreten, bevor er feierlich versprochen hatte, sich nie in 
Staatssachen zu mischen. 75) 
Bei einer andern viel wichtigern Gelegenheit entwickelte 
Richelieu eine ähnliche Energie. Der französische Klerus besass 
damals einen unerhörten Reiehthum, und da er das Vorrecht ge- 
noss, sich selbst zu besteuern, so hütete er sich wohl, nach seiner 
Meinung unnütze Beiträge zur Bestreitung der Staatskosten zu 
leisten. Sie hätten gerne Geld hergeschossen zum Kriege gegen 
die Protestanten, denn sie hielten es für ihre Piiicht, zur Aus- 
rottung der Ketzerei mitzuwirken") Aber sie konnten nicht ein- 
76) Eine von seinen Einitlüstemngen war, der Katholicismus in Deutschland liefe 
Gefahr durch die Verbindung des Königs mit protestantischen Mächten. G-rägozire 342, 
Am ausführlichsten über Caussin ist Le Vnssor, IIist. de Louis XIII, IX, 287-299, 
worauf sich übrigens Grägoire niemals bezieht. Da ich wiederholt Gelegenheit haben 
Werde, Gregoire einzuführen, so darf ich wohl bemerken, dass er viel genauer ist, als 
man gewöhnlich annimmt, und dass er von den meisten Französischen Schriftstellern 
sehr ungerecht behandelt worden ist; wegen seiner beständigen Angriife auf Ludwig XIV. 
ist er bei ihnen sehr unpopulär. Sismondi, Hist. des Frangdis XXII, 188 spricht 
mit grossem Lobe von seiner Geschichte Ludwig's XIII, und soweit meine eigene 
Belesenheit reicht, kann ich seine günstige Meinung bestätigen. 
77) „'Le petit päre Cdussin." Mäm. de Richelieu X, 206, und S. 217 wird er 
unter die Personen- gesetzt, "qni avaient tonjours ätä nonwries dem Pinnocenee d'une 
wie räligiense." Siehe auch 215 über seine sinzplieite et ignoranee. Ueber die Be- 
handlung, die Richelieu Ceussin angedeihen liess, siehe  de Moniglat I, 173-175; 
Lettres de Patin I, 49; Des Räanx, Historiettes II, 182. 
78) Sismbndi XXIII, 332. 'Tallemant des Räanx, Hist. 111, 78, die Anmerk. 
Le Vdssor, Hist. de Lands XIII, X, part II, 761 sagt: „Sz'rmond se sontint ä In 
eonr sous le ministere de Richelieu, pareeqzdil ne se mäloit point des aßen-es efetat." 
Nach demslben Schriftsteller VIII, 156 hat Richelieu einmal daran gedacht, den 
Jesuiten ihr Beichtvateramt bei dem Könige gaxm abzunehmen. 
79) llwvalläe, Hist. des Fmngais III, 87. Le Vdssor, Hist. de Louis XIII, IV, 
208; Bazin, Bist. de Louis XIII, II, 144; Benoist, Hist. de Vädit de Ndntes II, 
337, 338. Benoist sagt: „Le clerge de Franco, ignorant et eorrompu, eroyoit tont son
        

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