Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014346
Unmittelbare 
Ursachen der 
Manz. 
Revolution. 
359 
beiden übrigen Zweigen der Naturgeschichte, nämlich in der Botanik 
und Mineralogie geschah. Auch hier wurden die ersten grossen 
Schritte, jedes dieser Studien zur Wissenschaft zu erheben, kurz 
vor der Revolution von Franzosen gemacht. 
In der Botanik hat zwar unsre Kenntniss einzelner Thatsachen 
in den letzten hundert Jahren sich rasch vermehrt, w") aber wir" 
besitzen nur zwei allgemeine Satze, die umfassend genug sind, um 
den Namen von Naturgesetzen zu verdienen. Der erste betriift die 
Structur der Piianzen, der andere ihre Physiologie. Der physio- 
logische Satz ist das schöne morphologische Gesetz, nach welchem 
die verschiedene Erscheinung der verschiedenen Organe aus auf- 
gehaltener Entwickelung entspringt, so dass die Staubfaden, das 
Pistill, die Krone, der Kelch, das Nebenblatt nur Modificationen 
oder successive Stadien des Blattes sind. Dies ist eine von den 
vielen werthvollen Entdeckungen, die wir Deutschland verdanken; 
sie wurde spät im 18. Jahrhundert von Goethe gemachtßl") Jeder 
Botaniker keimt ihre Wichtigkeit; für den Geschichtschreiber des 
menschlichen Geistes ist sie besonders interessant, denn sie be- 
weist für die grosse Lehre von der Entwickelung, der die höchsten 
Wissenszweige jetzt zueilen und die während unseres Jahrhunderts 
auch in einem der schwierigsten Theile der thierischen Physiologie 
eingeführt worden istß") 
169) Dioscorides und Galen kannten 450 bis 600 Pflanzen. Wbbwicler, Gesch. der 
Botanik, 1854, 34, 40; aber nach Ouvier, Eloges III, 468 gab Linne 1778 etwa S000 
Arten an; und Magen, Geoyr. of plante, 4, sagt, „a1s Linne starb waren etwa 8000 
Species bekannt." Dr. Wlzewell, Bridgeuratev- treatise, 247, sagtvnetwa 10,000." Seit 
dem ist der Fortschritt ununterbrochen gewesen; und in Henslowäs Botamy, 1837, 136 
heisst es, die Zahl  der bereits in botanischen Werken classificirteu Piianzen belaufe 
sichyauf 60,000 Species. '10 Jahre darauf giebt Dr. Limlley, Vegetable lmfngdmn, 1847, 
S. 800, ihre Zahl auf 92,930 an, und 2 Jahre später sagt Balfour "etwa, 100,000." 
Bomny, 1849, S. 560. In diesem Stil rückt die Naturkenntniss vor. Ich hätte noch 
erwähnen sollen, dass 1812 Dr. Thomson sagte "beinahe 30,000 Spezies von Pflanzen 
sind untersucht und beschrieben worden. Wmmsoafs Hist. of H16 roy. soc. 21. 
170) Bekannt gemacht 1790. Wmclcler, Gesch. der Botanik, 398. Aber die Histo- 
riker der Botanik haben eine kurze Stelle in Goethe's Werken übersehen, welche be- 
weist, dass er schon Andeutungen dieser Entdeckung spürte vor 1786. Ital. Reise, 
Goethe's Werke II, Th. II, S. 286, 1837. Briefe aus Padua Sept. 1'796: „Hier in 
dieser neu mir entgegentretenden Mannigfaltigkeit wird jener Gedanke immer leben- 
diger; dass man sich alle Püanzengestalten vielleicht aus einer entwickeln könne." 
Einige interessante Bemerkungen über dieses brillante Gesetz siehe in Ouwfs Familienn- 
genesis, 1849, S. 53 etc. 
m) Nämlich in die Wissenschaft der thierischen Missgeburten, die, so caprieiös 
sie auch erscheinen mögen, jetzt als das nothwendige Resultat des ihnen Vorhergehen-
        

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