Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014327
Unmittelbare 
Ursachen der Franz. 
Revolution. 
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so lange es nicht mit, Krankheit "abwechselt, in dumpfer Einförmig- 
keit dahinläuft. Andererseits können die Functionen unseres thie- 
rischen Lebens, wie Denken, Sprechen, Sehen und Bewegung nicht 
lange ohne Ausruhen ausgeübt werden; und da sie beständig unter- 
brochen werden, so lassen sie sich vergleichen und folglich ver- 
bessern. Durch den Besitz dieses Mittels erhebt sich der erste 
Schrei eines Kindes allmälig zu der vollständigen menschlichen 
Sprache, und die ungebildeten ersten Gedanken reifen zu der Voll- 
endung, welche nur eine lange Reihe successivei- Anstrengungen 
hervorbringen kannßü") Aber unser organisches Leben, welches 
wir mit den Pflanzen gemein haben, lässt keine Verbesserung zu 
und folglich auch keine Entwickelung. Es gehorcht seinen eignen 
Gesetzen, und hat keinen Vortheil von der Wiederholung, dem nur 
das thierische Leben seine Entwickelung verdankt. Seine Func- 
tionen, wie Ernährung und dergleichen, existiren im Menschen 
mehrere Monate vor seiner Geburt, vor dem Beginn seines anima- 
lischen Lebens, wo die Fähigkeit des Vergleichens, die Quelle aller 
Entwickelung zu etwas Höherem, unmöglich istß") Und obgleich 
die pflanzlichen Organe grösser werden, so wie der menschliche 
Körper an Umfang zunimmt, so kann man doch nicht annehmen, 
dass ihre Functionen sich wirklich zu etwas Höherem entwickeln; 
denn in gewöhnlichen Fällen thun sie ihre Schuldigkeit eben so 
regelmässig und eben so vollständig in der Kindheit, als im mitt- 
leren Lebensalteixm) 
466) Ueber die Entwickelung durch Uebung siehe Bichat, Sur Za m'a 207-223 
467) Ibid. 189-203, 225-230. Auch Broussais in seinem vortreiiliclien Werk 
Cours de plwänoloyie, 487 sagt, Vergleichung begänne erst nach der Geburt, aber dies 
ist sicherlich sehr zweifelhaft. Wenige Physiologen werden leugnen, dass Erscheinun- 
gen im Embryo, obgleich von den Metaphysikern (Psychologen) vernachlässigt, eine 
grosse Rolle bei Äder Bildung des folgenden Charakters spielen; und ich sehe nicht 
ein, wie irgend ein System der Psychologie vollständig genannt werden könne, welches 
Betrachtungen übersieht, die an sich wahrscheinlich und durch keine Zeugnisse wider- 
legt sind. So nachlässig ist jedoch dieser Gegenstand untersucht worden, dass wir 
die widersprechendsten Angaben selbst über" den Vagitus uterinus haben; und doch 
wenn er in dem Maasse existirt, wie einige Physiologen versichern, so würde er ent- 
schieden beweisen, dass thierisches Lebenini Sinne Bichafs während der Foetus- 
Periode beginnt. Vergl. Burdaclz, Pkysiol. IV, 113, 114 mit Wagnefs Physiol. 182. 
463) "Las organes internes qm entrent alors m cxercicß, ou qm accroissent beau- 
coup lem- aeiion, Mont besoin ofaucune Education; ils aitaigvzwzt laut ä coup wie per- 
fection ä Zaquelle ccux de la oie animalc ne pwrvißnnvm qw 11m" habitude Jagir souvent." 
Bichat, Sur Za m'a, 231.
        

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