Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014283
der Franz. 
Unmittelbare Ursachen 
Revolution. 
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in der vorhergehenden Generation befolgt hatte. '50) Gegen diese 
Bewegung haben die Französischen Physiologen alle miteinander 
immer protestirt, und es lässt sich deutlich beweisen, dass ihre 
Opposition, die selbst durch Ouvier's grosses Talent nicht zum 
Uebergange bewogen werden konnte, zum Theil dem Anstoss zu 
verdanken ist, den Bichat gegeben, indem er in seiner Wissen- 
schaft auf der Nothwendigkeit bestand, die Anmassungen zu ver- 
werfen, mit denen Metaphysiker und Theologen jede Wissenschaft 
zu beherrschen suchen. Um dies zu erläutern, will ich zwei merk- 
würdige Thatsachen erwähnen. Die erste ist: In England, wo 
eine lange Zeit Bichats Einfluss kaum gefühlt wurde, haben viele 
selbst von unsern ausgezeichneten Physiologen eine entschiedene 
Neigung gezeigt, sich mit der reactionaren Partei zu verbinden, 
und nicht nur dem Neuen, das sie nicht gleich erklären konnten, 
sich widersetzt, sondern auch ihre eigene herrliche Wissenschaft 
dadurch erniedrigt, dass sie dieselbe zu einer Magd im Dienste 
der natürlichen Theologie hergaben. Die andere Thatsaehe ist, 
dass in Frankreich die Schüler Bichafs fast ohne Ausnahme das 
Studium der Endursaehen verworfen haben, welchem die Schule 
Cuvier's noch anhängt, während in natürlicher Folge davon die 
Schüler Biehatls in der Geologie sich der Lehre der gleichmassigen 
Entwickelung anschliessen, in der Zoologie der der Verwandlung 
der Arten, und in der Astronomie der Nebelhypothese, grossaitigen 
und herrlichen Gedanken, unter deren Schirm der menschliche Geist 
dem Dogma übersinnlichen Eingreifens zu entgehen sucht, welches 
der Fortschritt der Wissenschaft überall beschränkt, und dessen 
Existenz sich mit den Begriffen ewiger Ordnung, worauf wir in 
den letzten 200 Jahren beständig losgesteuert sind, nicht verträgt. 
Diese grossen Erscheinungen, die uns der Französische Geist 
zeigt, und die ich nur in flüchtiger Skizze gezeichnet habe, werden 
W) In Liteiatur und Theologie waren Chateaubriand und De Maistre gewiss die be- 
redtesten und wol auch einflussreichsten Führer dieser Reaetion. Keiner von ihnen fand 
Gefallen an der Induction, sondern jeder zog es vor deductiv aus angenommenen Prämissen 
zu raisonniren. Sie nannten diese Voraussetzungen höchste Principien. De Maistre 
jedoch war ein starker Dialektiker und darum werden seine Werke von manchen ge- 
lesen, die sich aus GhateaubrianrYs glänzenden Deelanxationen nichts machen. In der 
Metaphysik trat eine ganz ähnliche Bewegung ein; und Laromiguiere, Royer Oollard 
und Maine de Biran gründeten die berühmte Schule, die in Cousin gipfelte, und die 
sich eben so durch Unwissenheit in der Philosophie der Induetion auszeichnet, als 
durch mangelndes Interesse an der Naturwissenschaft. 
Buckle, Gesell. d. Civilisation 1. 2. 23 
        

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