Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014263
Unmittelbare 
der Franz. 
Ursachen 
Revolution. 
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und damit diese Methode nicht nur neu, sondern auch werthvoll 
sei, muss ihr Urheber zuerst die Mittel seines Gegenstandes voll- 
kommen in der Gewalt haben, und sodann auch Originalität und 
-einen grossen Umfang des Wissens besitzen,  die beiden selten- 
sten Arten des Genie's. Hierin besteht die wahre Schwierigkeit 
jeder grossen wissenschaftlichen Unternehmung. Sobald irgend ein 
Wissenszweig zu den allgemeinen Formen von Gesetzen erhoben 
worden ist, enthält er entweder in sich selbst oder in seiner An- 
wendung drei bestimmte Zweige: nämlich Erfindungen, Entdeckun- 
gen und Methode. Der erste Zweig entspricht der Kunst, der 
zweite der Wissenschaft und der dritte der Philosophie. In dieser 
Stufenleiter nehmen die Erfindungen bei weitem den untersten Platz 
ein, und die grössten Geister beschäftigen sich selten damit; ihnen 
Zunächst stehen die Entdeckungen, und hier beginnt das wirkliche 
Feld der Intelligenz; denn hier wird der erste Versuch gemacht, 
nach der Wahrheit um ihrer selbst willen zu forschen, und jene 
praktischen Rücksichten bei Seite zu setzen, worauf sich Erfin- 
dungen nothwendig beziehen. Dies ist Wissenschaft im eigentlichen 
Sinne; und wie schwer es ist, diese Stufe zu erreichen, sieht man 
aus der Thatsache, dass alle halb civilisirten Nationen allerlei 
grosse Erfindungen, aber keine grossen Entdeckungen gemacht 
haben. Die höchste von allen drei Stufen ist jedoch die Philosophie 
der Methode, welche sich zur Wissenschaft eben so verhält, wie 
die Wissenschaft zur Kunst. Von ihrer ausserordentlichen, ja von 
der höchsten Wichtigkeit derselben geben uns die Jahrbücher der 
Wissenschaft hinlängliche Beweise, und aus Mangel daran haben 
einige sehr grosse Männer durchaus gar nichts ausgerichtet, und 
ihr Leben in fruchtloser Thätigkeit hingebracht, nicht weil sie es 
an der Arbeit fehlen liessen, sondern weil ihre Methode unfruchtbar 
war. Der Fortschritt jeder Wissenschaft hängt meh1' von dem 
Plane ab, nach dem sie bearbeitet wird, als von der wirklichen 
Plähigkeit der Arbeiter selbst. Wenn Reisende in einem unbe- 
kannten Lande ihre Kraft durch Verfolgung falscher Wege er- 
schöpfen, so werden sie den Punkt verfehlen, wo sie hinwollen 
nommen giebt es zwei Methoden, die inductive und die deductive. Sie sind zwar 
Wesentlich verschieden, aber so mit einander vermischt, dass es unmöglich ist, sie 
gänzlich zu trennen. Die Erörterung des wahren Wesens dieses Unterschiedes behalte 
ich mir vor für meine Vergleichung der Deutschen und Amerikanischen (Zivilisation 
im nächsten Bande.
        

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