Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010984
VOIII 
zum 
bis 
18. Jahrh. 
23 
Stellungen wurden nicht mehr mit der Achtung aufgenommen, die 
ihnen früher zu Theil geworden wäre, und die Angelegenheiten 
des Landes nach wie Vor unter dem rein weltlichen Gesichtspunct 
verwaltet, welcher eingestandener Maassen allen Regierungshand- 
lungen Heinrichs IV. zu Grunde gelegen") 
Dies war die neue Politik der Französischen Regierung, einer 
Regierung, die es noch vor wenig Jahren für die Haupt-Pflicht 
eines Souveräns gehalten, Ketzer zu bestrafen und Ketzerei aus- 
zurotten. Dass diese fortdauernde Verbesserung lediglich das Re- 
sultat allgemeiner intellectueller Entwickelung war, ist einleuchtend, 
nicht bloss durch ihren Erfolg, sondern auch aus dem Charakter 
der Königin-Regentin und des Königs. Wer die Memoiren jener 
Zeit gelesen hat, kann nicht in Abrede stellen, dass Maria von 
Medicis und Ludwig XIII. ebenso abergläubig als irgend einer 
ihrer Vorfahren gewesen, und so Leuchtet es ein, dass diese Be- 
seitigung theologischer Vorurtheile nicht ihren persönlichen Ver- 
diensten, sondern der vorrückenden Einsicht des Volks zu danken 
war, dem Druck des Zeitalters, das in seiner reissenden Ent- 
wicklung Diejenigen mit sich foitriss, Welche glaubten, dass sie 
es regierten. 
Aber diese Betrachtungen, so gewiehtig sie sind, werden dem 
Verdienst jenes merkwürdigen Mannes, der jetzt auf der Bühne 
der öffentlichen Angelegenheiten erscheint, nur wenig Abbruch 
thun. Während der letzten 18 Jahre der Regierung Ludwigs XIII. 
wurde Frankreich gänzlich von Richelieutlz) einem der sehr weni- 
gen Staatsmänner, denen es gegeben ist, dem Schicksale ihres 
Vaterlandes ihren Charakter aufzudrücken, regiert. Dieser grosse 
Staatsmann ist in der Kenntniss der Kunst der Politik wahrschein- 
lich niemals übertroffen worden, ausgenommen von dem wunder- 
baren Genie, welches zu unsrer Zeit das Schicksal Europafs beun- 
Kg 
möglich." Ranke, Die Päpste III, 181, Anhang. Vergl. Meän. de Richelieu II, 68; 
Mäm. de Pontchartrain I, 428. 
7') Dieser Verfall der geistlichen Macht wird von mehreren gleichzeitigen Schrift- 
stellern besprochen; aber es genügt, auf die höchst merkwürdige Vßrßtellullg deS 
Französischen Clerus vom Jahre 1605 in De Tlmu, Hist. zmiv. XIV, 446, 447 zu 
verweisen. 
72) Montcil sagt, Hist. des Fraugais des divers ätats VII, 114: "Richelieu tint le 
SMIWC; Louis XII1 porm la courwmc." Und Üßmßiß": JIM" 37 nennt ihn? ußmtöt 
le maitrß, qm, le ministreff und fügt hin-zu S. 218 und 219, er habe "youvernä dix- 
huit am la Fromoe amen im pauvoir dbsolu, et um gloire suns pareille." Vergl. Mäm. 
du Cßrdinal de Reiz I, 63. 
        

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