Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013959
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Unmittelliare 
Ursachen der Franz. 
Revolution. 
welches, um die Hoffnung eines künftigen Lebens auszulöschen, im 
Menschengeiste das herrliche Gefühl seiner Unsterblichkeit ze1'- 
stört. 74) Und sehr befremdend ist es, dass sogar einigegrössere 
Geister sich der Ansteckung nicht entziehen konnten. Von Con- 
dorcet, D'Alembert, Diderot, Helvetius, Lalande, Laplace, Mirabeau 
und Saint Lambeit") wurde der Atheismus offen vertheidigt. Und 
alles dies stimmte so vollkommen zu der allgemeinen Gemüths- 
Verfassung, dass die Menschen in der Gesellschaft sich einer Ansicht 
rühmten, die in andern Ländern und zu andern Zeiten ein seltener 
und auffallender Irrthum, ein excentrischer Makel war, den die 
damit Behafteten gern verbargen. 1764 fand Hume im Hause des 
Barons Holbach eine Gesellschaft der berühmtesten Franzosen, die 
damals in Paris lebten. Der grosse Schotte, der ohne Zweifel die 
vorherrschende Ansicht merkte, nahm Veranlassung eine Erörterung 
zu beginnen, 0b es denn eigentlich Atheisten gebe; er selbst, sagte 
er, habe nie einen gesehen. „Da sind Sie doch unglücklich ge- 
wesen," erwiederte Holbach; „in diesem Augenblick sitzen Sie aber 
gleich mit siebzehn zu Tischeßm) 
Dies, so betrübend es ist, giebt uns nur eine Seite der Bewe- 
gung, durch die in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts der 
Französische Geist von dem Studium der innern Welt abgelenkt 
und dem der Aussenwelt zugewendet wurde. Von dieser Richtung 
finden wir einen interessanten Beweis in dem berühmten Werke 
von Helvetius, ohne Zweifel der geistrcichsten und einflussreichsten 
Behandlung der Ethik, die_ Frankreich in dieser Periode hervorge- 
bracht. Das Werk wurde 1758") herausgegeben und obgleich es 
74) Baby. univ. X, 471, 669, XXVIl, 8, XXX, 542; Mäm. de Brissot I, 305; 
Tocqueville, Rägne de Louis XV, 11, 77. 
75) Meim. de Mallet du Pzm I, 50; Soulavie, V, 127; Barruel, Hist. du Jacobin. 
I, 104, 135, 225, II, 23,-lII, 200; Lzfe of Romilly I, 46, 145; Sliiudliaz, llzeol. 
TVzÄesenscIz. II, 440; Georgel, Mäan. II, 250, 350; Grivnm, Oowesp. XV, S7; Mün. de 
Morellet 1, 130; Lepan, Vie de Voltaire 369; Tennemunn, GBSUIL. der Phil. XI, 350; 
Musset Patlmy, Via du Rüllssäaft II, 17T , 297; Mäm. de Gmlis V,-1S0; Hitchcock?)- 
Geol. 263, Mävn. oflfpinay II, 63.. 66, 76. 
76) Dies wurde Romilly von Diderot erzählt. Lgfo of Romilly I, 131, 132; siehe 
auch Bm-toafs Lzfe uf Hume II, 220. Priestley, der Frankreich 1774 besuchte, sagt: 
"alle Philosophen, die ich in Paris kennen lernte, glaubten nicht an's Christcnthum 
und waren sogar offene Atheisten." Mem. I, 74. Siehe auch einen Brief von Horace 
Walpole aus Paris 1765, Walpole, Letters ed. 1840, V, 96: "eingestandener Massen 
ist ihre Ansicht der Atheismus." v 
77) Biog. univ. XX, 29. 
        

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