Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013934
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Unmittelbare Ursachen 
der Franz. 
Revolution. 
Wahrheiten verderbt werden. Männer, die das Dasein der Gottheit 
und die Unsterblichkeit der Seele leugnen, werden sich nicht viel 
darum kümmern, auf welche Weise ein roher und ausserlicher 
Gottesdienst diese erhabenen Lehren verdunkelt. Aller Götzendienst, 
alle äusseren Gebrauche, aller Pomp, alle Dogmen, alle Ueberliefe- 
rungen, welche die Religion zurückhalten, werden sie nicht beun- 
ruhigen, weil sie die Ansichten, die zurückgehalten werden, für 
eben so falsch halten, als die, denen Vorschub geleistet wird. 
Warum sollten sie, denen transcendentale Wahrheiten unbekannt 
sind, sich die Mühe geben, den Aberglauben aus dem Wege zu 
räumen, der diese Wahrheiten verdunkelt? Eine solche Generation, 
weit entfernt davon, kirchliche Uebergriife anzufeinden, wird die 
Geistlichkeit eher als ein bequemes Werkzeug ansehen, die Unwis- 
senden zu fangen, und den Pöbel-zu beherrschen. Deswegen hören 
wir selten, dass ein aufrichtiger Atheist ein eifriger Polemiker ist. 
Wenn es sich aber ereignen sollte, was sich vor einem Jahrhundert 
in Frankreich ereignete, wenn Männer von grosser Energie und 
geleitet von den Gefühlen, die ich beschrieben habe, sich einem 
politischen Despotismus gegenüber finden, so würden sie gegen diesen 
alle ihre Kraft aufbieten, und mit desto grösserer Entschlossenheit 
handeln, weil sie glauben müssen, ihr Alles stehe auf dem Spiele; 
das irdische Glück wird nicht nur ihr erster, sondern ihr einziger 
Zweck sein. 
Unter diesem Gesichtspunkt wird der Fortschritt der atheisti- 
sehen Ansichten, die jetzt in Frankreich auftraten, ein Gegenstand 
von grossem, wenn auch peinlichem Interesse. Und der Zeitpunkt, 
wo sie erschienen, bekräftigt vollkommen, was ich eben über die 
Veränderung gesagt habe, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts 
stattfand. Das erste grosse Werk, in welchem sie öffentlich ver- 
breitet wurden, war die berühmte Encyclopädie, die 1751 erschienßil) 
Vor jener Zeit waren so erniedrigende Ansichten, wenn auch ge- 
legentlich vorgebracht, doch niemals von talentvollen Männern ge- 
69) Burante, IIit. Frzmg. au 18a sieole, 94, sagt: „0u urrivu bientöt ä ioui 
nier; defjä Piucredulite avuit rejetä Zes preuves nliviues de la räuälation, xet (zum? ubjurä 
les devoirs et Zes souvenirs olmftvlens; an vit alors Fatkeisme lever am freut plus hardz", 
et proclumer que tout seutimeut religieux ätuit une rölverie et am däsordre de Pesprit 
kumaiu. C'est de Peßoque de Vencyclopädie que duteut Zus äorits au cette opiuiou es? 
le plus expressäment prqfessäe. Ils fureut peu imitäs." Der letzte Satz ist ein Irr- 
thum; so leid es mir thut, dass es der Fall ist, muss ich es bemerken.
        

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