Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013908
Ursachen der 
Unmittelbare 
Franz. 
Revolution. 
315 
Kaufmanns oder den Intriguen einer Maitresse zuzuschreibenfß) 
heisst die Ursache eines Vorgangs mit dem Vorwande verwechseln, 
unter dem die That vollbracht wurde. In den Augen der Menschen 
des 18. Jahrhunderts war das wahre Verbrechen der Jesuiten, dass 
sie nicht der Gegenwart, sondern vielmehr der Vergangenheit an- 
gehörten, und durch die Vertheidigung der Missbräuche alter Ein- 
richtungen dem Fortschritt des Menschengesrahlechts im Wege 
standen. Sie hinderten den Gang der Zeit und die Zeit fegte sie 
aus ihrem Wege. Dies war die wahre Ursache ihrer Aufhebung, 
eine Ursache, welche die Schriftsteller nicht leicht bemerken, die 
unter dem Gewande von Historikern nur Sammler des Geschwätzes 
und des Geklatsches der Höfe sind, und sich einbilden, die Ge- 
schicke grosser Nationen könnten in den Vorzimmern der Minister 
und in den Rathssitzungen der Könige abgemacht werden. 
Nach dem Fall der Jesuiten schien es nichts mehr zu geben, 
was die Französische Kirche vom unmittelbaren Untergange retten 
könntet") Der alte theologische Geist war schon eine Zeitlang im 
Abnehmen gewesen, und die Geistlichkeit litt an ihrer eignen Faul- 
niss sogar noch meh1', als von den Angriffen auf sie." Der Fort- 
schritt der Wissenschaft brachte in Frankreich die nämlichen Re- 
sultate hervoruwie wir sie in England nachgewiesen haben, und 
die wachsende Anziehungskraft der Wissenschaft entzog der geist- 
liehen Profession manchen berühmten Mann, der in früherer Zeit 
ihr thätiges Mitglied gewesen sein wurde. Die glänzende Beredt- 
samkeit, wodurch sich der Französische Klerus ausgezeichnet hatte, 
starb jetzt aus, und die Stimmen jener grossen Redner, für die 
sich früher die Tempel gefüllt hatten, wurden nicht mehr vernom- 
menßö) Massillon war der letzte des berühmten Geschlechtes, 
welches das Gemüth unterjocht hatte, und dem man noch jetzt bei 
dem Reiz seines Zaubers kaum zu widerstehen vermochte. E1' 
starb 1742 und nach ihm besass die Französische Geistlichkeit 
63) Einige Schriftsteller schreiben den Untergang der Jesuiten den Anstrengungen 
der Madame de Pompadour zu. 
64)0hoiseu1 soll 'von den Jesuiten gesagt haben: "Nach der Zerstörung ihrer 
Erziehung werden alle anderen religiösen Körperschaften von selber fallen." Barruel, 
Hist. du Jacobinisme I, 63.  
65) 1m Jahre 1771 schreibt Horace Walpole von Paris, dass die Kirchen und 
Klöster leer würden, und aussähen wie verlassene Theater, die eingerissen werden 
sollten, und hält dies mit seiner früheren Erfahrung von einem ganz anderen Zu- 
stande zusammen. Letters V, 310, edit. 1840.
        

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