Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013850
310 
der 
Unmittelbare Ursachen 
Franz  
Revolution. 
schaft und durch die Pracht eines gut bedienten Tempels einge- 
nommen; dennoch wissen sie ganz gut, dass so etwas einen grossen 
Theil von dem Gelde verschlingt, das sonst in ihre Hütten iliessen 
wurde. Die Aristokratie hingegen erwirbt sich natürlich durch ihre 
Stellung, durch ihre Sitten und durch die Angewohnhgiten ihrer 
Erziehung einen Geschmack für Aufwand; und so verbindet sie 
leicht mit der Religion den Begriif des Glanzes und mit der Fröm- 
migkeit den des Pomps. Ausserdem haben die Adeligen instinct- 
massig die wohlbegründete Ueberzeugung, dass ihre Interessen mit 
denen der Priesterschaft verschwistert sind, und dass Alles, was 
den einen schadet, auch den Fall der andern beschleunigen werde. 
Daher hat jede christliche Demokratie ihren Gottesdienst verein- 
facht, und jede christliche Aristokratie den ihrigen verschönert. 
Und eben so wird jede Gesellschaft, je mehr sie sich zur Gleich- 
heit neigt, desto mehr in der Theologie Calvinistische Ansichten 
. annehmen, und je mehr sich eine Gesellschaft zur Ungleichheit 
hinneigt, desto wahrscheinlicher werden ihre Ansichten Arminianisch 
sein. Man könnte diesen Contrast leicht noch weiter treiben, und 
zeigen, dass der Oalvinismus der Wissenschaft, der Arminianismus 
den Künsten günstiger istß") und dass nach demselben Prinzip der 
erste sich besser für Denker, der letzte sich besser für Gelehrte 
passtß") Ohne jedoch die Abweichung beider von einander in ihrer 
39) Ein geseheidter Beobachter, der ganz Deutschland bereiste, bemerkte 1780, 
die Calvinisten, obgleich reicher als ihre Gegner, hätten weniger Sinn für die Kunst. 
Riesbecläs Travels througlt Gernzany, London 1787, II, 240. Eine interesante Stelle, 
in der jedoch der Verfasser nicht im Stande ist, die Thatsachen, die er andeutet, 
unter einen allgemeinen Gesichtspunkt zu fassen. 
40) Die Armihianer haben manche grosse Gelehrte gehabt, besonders in den Kirchen- 
vätern; aber die besten Denker sind auf der andern Seite gewesen, wie Augustin, 
Pascal und Jonathan Edwards. Diesen Calvinistischen Mctaphysikern kann die Armi- 
nianische Partei niemand von gleichem Geist entgegensetzen; und es ist merkwürdig, 
dass die Jesuiten, bei weitem die eifrigsten Arminianer in der römischen Kirche, immer 
wegen ihrer Gelehrsamkeit berühmt gewesen sind, aber sich immer sehr wenig mit 
Psychologie beschäftigt haben; wie Sir James Mackintosh sagt, Disv. (m ethiml pkilos, 
185, so ist Bufiier "der einzige Jesuit, dessen Name in der Geschichte der abstracten 
Philosophie  was Herr Buckle im Anfange dieses Bandes Metaphysik nennt  
eine Stelle einnimmt." Und es ist interessant Zu beobachten, dass diese Ueberlegenheit 
der Calvinisten im Denken mit einem Zurückstellen an Gelehrsamkeit, von Anfang an 
bestand; denn Neamler, Hist. qf tlw elmrch IV, 299 bemerkt; "Pelagius besass nicht 
den tiefen speculativen Geist, den wir bei Augustin linden, aber an Gelehrsamkeit 
"war er Augustin überlegen." (Vielleicht ist es ebenso merkwürdig, dass Angustinxein 
Calviuist ist. Der Uebersetzer.) 
        

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