Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013844
der Franz. Revolution. 
Unmittelbare Ursachen 
309 
sachen nothwendig zur allgemeinen Geschichte gehört, und wie 
wir gleich sehen werden, in genauster Verbindung mit" der Fran- 
zösischen Revolution steht.  
Das erste was uns auffallen muss, ist, dass der Calvinismus 
eine Lehre für die Armen und der Arrninianismus eine für die 
Reichen ist. Ein Bekenntniss, das auf die Nothwendigkeit des 
Glaubens besteht, muss wohlfeiler sein als eins, das auf die Noth- 
wendigkeit der Werke besteht. In dem erstern Falle sucht der 
Sünder seine Seligkeit durch die Starke seines Glaubens zu erlan- 
gen, in dem letztern Falle sucht er sie durch die Fülle seiner Bei- 
träge zu erreichen. Und da diese Beiträge, so lange der Klerus 
bedeutende Macht hat, immer denselben Weg gehen, so finden wir, 
dass in Ländern, welche die Arminianische Lehre von den Werken 
begünstigen, die Priester besser bezahlt sind, und die Kirchen 
reicher ausgeschmückt werden, als in denen, wo der Calvinismus 
die Oberhand hat. Ja die allergemeinste Rechnung muss es ein- 
leuchtend finden, dass eine Religion, die unsere christliche Liebe 
auf uns selbst beschränkt, wohlfeiler ist als eine, die unsere christ- 
liche Liebe auf Andere lenkt. 
Dies ist die erste grosse praktische" Abweichung der beiden 
Bekenntnisse von einander, eine Abweichung, von der sich jeder 
überzeugen kann, der mit der Geschichte verschiedener christlicher 
Völker bekannt, oder auch nur in Ländern gereist ist, wo "die ver- 
schiedenen Bekenntnisse gelten. Eben so lässt sich beobachten, 
dass die römische Kirche,. deren Gottesdienst wesentlich in die 
Sinne fallt und die prächtige Kathedralen und pomphafte Gebräuche 
liebt, immer gegen die Calvinisten eine viel grössere Feindseligkeit 
gezeigt hat, als gegen eine andere protestantische Secteßs) 
Aus diesen Verhältnissen entsprang, unvermeidlich die aristo- 
kratische Richtung des Arminianismus und die demokratische des 
Calvinismus. Das Volk hat Pomp und Schaugepränge eben so 
gern als die Adeligen, aber es will sie nicht bezahlen. Ungeschulte 
Gemüther werden leicht durch den Aufzug einer zahlreichen Priester- 
33) Heber, Life of Jeremy Taylor CXX, sagt, "der Galvinismusl sei ein System, 
das für den Katholiken abstossender sei als alle andern." Philipp II., der grosse Ver- 
theidiger des Katholicismus, hasste die Calvinisten ganz besonders und nennt in einem 
seiner Edicte ihre Seete nabscheulioh." De Tlmu, Hist. X, 705, XI, 458. Um 
einen früheren Fell zu geben: als die römische Inquisition 1542 Wieder hergestellt 
ward, wurde befohlen, dass die Ketzer und "insbesondere die Calvinisten" nicht gee 
duldet werden sollten. Ranke, Die Päpste 1, 211. 
        

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