Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013808
der 
Ursachen 
Unmittelbare 
Franz. 
Revolution. 
305 
Dies waren Vorboten des kommenden Sturms, Zeichen der 
Zeit, die jedem in die Augen fallen mussten. Auch an anderen 
Kennzeichen fehlte es nicht, an denen man die wahre Verfassung 
des Zeitalters deutlich sehen konnte. Die Regierung versetzte 
gleich nach der Mitte des 18. Jahrhunderts ausser dem so eben 
Erzahlten der geistlichen Macht noch einen directen und tödtlichen 
Stoss. Sie vertrieb die Jesuiten. Dies ist ein Ereigniss, welches 
nicht nur Wegen seiner schliesslichen Wirkungen, sondern auch 
wegen der Gesinnungen der Menschen, die es verrath, wichtig ist, 
und zugleich zeigt, Was auf friedlichem Wege durch die Regierung 
eines Königs, der sich „den allerchristlichsten" nanntefü) ausgeführt 
werden konnte.  
Wenigstens 50 Jahre nach ihrer Stiftung leisteten die Jesuiten 
der Civilisation grosse Dienste, theils dadurch, dass sie dem grösse- 
ren Aberglauben ihrer Vorgänger, der Dominikaner und Franzis- 
kaner, durch ein weltliches Element mässigten, und theils dadurch, 
dass sie ein System der Erziehung, Welches alle bisherigen in 
Europa übertraf, einrichteten. Auf keiner Universität fand sich ein 
umfassenderer Plan des Unterrichts als der ihrigc war, und nir- 
gends wurde in der That so viel Geschicklichkeit in der Behand- 
lung der Jugend, oder so viel Einsicht in die Thatigkeit des mensch- 
lichen Geistes im Allgemeinen entwickelt. Gerechter Weise muss 
man noch hinzusetzen, dass diese berühmte Gesellschaft ungeachtet 
ihrer eifrigen und prinziplosen Ehrsucht eine lange Zeit hindurch 
eine treue Freundin der Wissenschaft sowohl als der Literatur war, 
dass sie ihren Mitgliedern eine Freiheit und Kühnheit der Specu- 
lation erlaubte, wie dies kein anderer Mönehsorden je gcthan. 
Wie jedoch die Givilisation vor-rückte, verloren die Jesuiten 
gerade wie alle andern Hierarchieen, die die Welt bis jetzt gesehen 
hat, an Boden, und nicht sowohl wegen ihres eignen Verfalls, als 
Wegen des veränderten Geistes ihrer Umgebung. Eine Einrichtung, 
die vortrefflich für eine frühere Form der Gesellschaft passte, eig- 
nete sich sehr schlecht für dieselbe Gesellschaft in ihrem reiferen 
Zustande. Im 16. Jahrhundert waren die Jesuiten ihrer Zeit vorauf, 
m) Heinrich U- püegte sich auf diesen Titel zu berufen, um seine Verfolgungen 
der Protestanten zu reqßhtfertigen. Ranke? Civ. wen's in Fmuce I, 241; undkier 
Musterkönig Ludwig XV. hielt sehr viel darauf. Soulavia, Rägnc de Louis XVI, 
I, 155. Die Französischen Alterthümler führen ihn auf Pipin, den Vater KarYs des 
Grossen zurück. Barrinytoafs Observations on the smtutes 168. 
Buckle, Gesch. d. Civilisatioxx. I. 2. 20
        

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