Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013719
296 
Ursachen 
Unmittelbare 
Franz. 
der 
Revolution. 
so kann kein jetzt lebender Mensch uns auch nur das Jahr sagen, 
in welchem den Juden eine ähnliche Gerechtigkeit widerfahren 
wird") Beide Ereignisse sind gleich gewiss, aber beide sind nicht 
mit gleicher Genauigkeit anzugeben. 
Diese Unterscheidung von Gewissheit und Bestimmtheit habe 
ich etwas länger ausgeführt, weil man sie nicht recht zu verstehen 
scheintf) und weil sie genau mit dem Gegenstands, den wir jgtzt 
vorhaben, zusammenhängt. Die Thatsache, dass der Französische 
Geist während des 18. Jahrhunderts zwei ganz verschiedene Pe- 
rioden durchlaufen, kann durch Zeugnisse" aller Art bewiesen wer- 
den; aber es ist unmöglich, den bestimmten Zeitpunkt zu erfahren, 
wo die eine Periode der andern folgte. Aber was wir thun können 
ist, die verschiedenen Anzeichen, welche die Geschichte jener Zeit 
gewährt, zusammen zu bringen und annäherungsweise aufzustellen, 
wodurch sich künftige Forscher mögen leiten lassen. Vielleicht 
wäre es weiser, alle genauen Angaben zu vermeiden; aber da die 
Benutzung von Zeitangaben nöthig erscheint, um solche Gegenstände 
4a) Dies wurde 1857 zuerst gedruckt, seitdem sind bekanntlich die Juden zum 
Parlament zugelassen worden. 
i) Wie wir dies in den Forderungen der Mathematiker sehen, die oft annehmen, 
dass in ihrer Wissenschaft eine grössere Gewissheit als in irgend einer anderen er- 
langt werden könne. Dieser lrrthum ist Wahrscheinlich, wie Locke bemerkt, aus der 
Verwechslung von Klarheit und Gewissheit entstanden. Essay an Immun emderstanditzy, 
book IV, eh. II, sec. 9 und 10. In seinen Worlcs II, 73, 74. Siehe auch Cumte, 
Phil. pus. I, 103, wo ganz richtig bemerkt wird, dass alle Wissenszweige, die sich 
zu allgemeinen Wissenschaften erheben lassen, die gleiche Gewissheit, aber nicht die 
gleiche Bestimmtheit zulassen: "St, cfdpräs Pcxplicalion präcädentc, Zcs diverses 
sciences doivent näcessatreonent jarescntcr um präotsion träs-tnägale, il n'en es! nullenzent 
ainsi de lem- certttude." Dies behandelt Montuola, Hist. des matlzemat. l, 33 nicht 
befriedigend, wenn er sagt, die Hauptursache der besondern Gewissheit, welche der 
Mathematiker erreiche, sei dass "d'une idäc claire il ne döduit que des consäqttetzces 
olaires et incontestables." Aehnlich Oudwortlt, Intellect. syst. 11.1, 377: „ja das wahre 
Wesen der Wahrheit ist hier diese klare Verständlichkeit und Deutlichkeit." Auf der 
andern Seite vermied Kant, ein viel tieferer Denker, diese Confusion, indem er die 
mathematische Klarheit mehr zum Zeichen einer Art als einer Stufe der Gewissheit 
machte: „Die mathematische Gewissheit heisst auch Evidenz, weil ein intuitives Er- 
kenntniss klarer ist, als ein discursives. Obgleich also beides, das mathematische und 
das philosophische Vernunft-Erkenntniss, an sich gleich gewiss ist, so ist doch die Ar: 
der Gewissheit in beiden verschieden." Logik, Einleitung, See. 9 in Kanfs Werken 
I, 399. Ueber die Meinungen der Alten hinsichtlich der Gewissheit vergl. Matter, 
Hiat. de Heule d'Alexundrie I, 195 mit Rittern Hist. af ancient pltilos, 11, 46, In, 
'74, 426, 427, 484, 614.
        

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