Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013637
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Historische Literatur 
in Frankreich 
Dienst geleistet haben, dass er zeigte, wie eine ihrer ergiebigsten 
Irrthumsquellen mit Sicherheit entfernt werden könne. Und ob- 
gleich wir unglücklicher Weise noch nicht den ganzen Vortheil 
von seinem Beispiel geerntet haben, weil seine Nachfolger selten 
die Fähigkeit hatten sich zu einem so hohen allgemeinen Gedanken 
zu erheben; so ist es doch gewiss, dass seit seiner Zeit eine An- 
näherung zu so erhabenen Ansichten bemerkbar wird selbst unter 
den geringeren Schriftstellern, die aus Mangel an hinlanglicher 
Fassungskraft nicht im Stande sind, sie in ihrer vollen Ausdehnung 
sich zu eigen zu machen. 
Daneben that Montesquieu in der Methode der Geschichtschrei- 
bung noch einen andern Schritt vorwärts. Er rief zuerst bei der 
Untersuchung der socialen Zustände eines Landes im Verhältniss 
zu seiner Jurisprudenz die Naturwissenschaft zu Hülfe, um zu 
sehen wie der Charakter einer gegebenen Stufe der Civilisation 
durch die Einwirkung der Aussenwelt bedingt werde. In seinem 
Werk über den Geist der Gesetze untersucht er wie sowohl die 
bürgerliche als die politische Gesetzgebung natürlich mit dem Klima, 
dem Boden und den Nahrungsmitteln zusammenhängt. '37) Zwar 
misslang ihm dieses grosse Unternehmen fast gänzlich; aber dies 
kam daher, dass Meteorologie, Chemie und Physiologie noch ;u 
weit zurück waren, um es möglich zu machen. Dies triift aber 
nur den Werth seiner Folgerungen, nicht seiner Methode; und hier 
wie in manchen andern Fällen sehen wir den grossen Denker 
einen Plan skizziren, der sich bei dem Zustande der Wissenschaft 
seiner Zeit nicht ausführen lässt und dessen Vollendung er der 
reiferen Erfahrung und den grösseren Mitteln einer späteren Zeit 
überlassen muss. . So den Gang des menschlichen Geistes zu anti- 
cipiren und gleichsam seinen künftigen Eroberungen vorzugreifen 
ist das eigenthümliche Vorrecht der grössten Geister; und gerade 
dies giebt den Schriften Montcsquiews ein gewisses fragmentarisches 
und provisorisches Ansehen. So musste es einem tief speculativen 
Geiste in Behandlung eines widerspenstigen Stoffes ergehen, bloss 
weil die Wissenschaft ihn noch nicht geordnet und seine Erschei- 
nung in Gesetze gefasst hatte. Daher sind manche von Montes- 
quieu's Schlüssen unhaltbar, wie z. B. die über den Einfluss der 
Diät auf die Vermehrung der Bevölkerung durch Erhöhung der 
l Esprit des lois 
XIV 
Oeuv. 
300- 
336.
        

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