Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013591
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Historische Literatur 
Frankreich 
Unwissenheit entschuldigt werden kann, m) und weil im Ganzen 
genommen er wohl der grösste Historiker ist, den Europa bis jetzt 
hervorgebracht hat. In Bezug auf die geistigen Gewohnheiten des 
18. Jahrhunderts ist es jedoch wichtig zu zeigen, dass in dieser 
Periode auch andere Französische Historiker eine ähnliche umfas- 
sende Methode entwickelten; und so finden wir in diesem, wie in 
allen andern Fällen, dass selbst was die ausgezeiehnetsten Männer 
leisten, zum grossen Theil dem Charakter des Zeitalters zuzuschrei- 
ben ist, in dem sie leben. 
Die weitläufigen Arbeiten V0ltaire's zur Reformirung der alten 
Methode der Geschichtschreibung wurden durch die bedeutenden 
Werke, die Montesquieu zu derselben Zeit herausgab, sehr geför- 
dert. 1734130) veröffentlichte dieser merkwürdige Mann das erste 
Buch, von dem man mit Wahrheit sagen kann, dass man sich 
daraus über die wirkliche Geschichte von Rom unterrichten könne, 
'99) In diesem, wie in manchen andern Fällen, ist die Unwissenheit durch reli- 
giösen Aberglauben befestigt worden, denn wie Lord Campbell ganz richtig von Vol- 
taire sagt: "Seit der Französischen Revolution ist ein rücksichtsloses Herunterreissen 
dieses Schriftstellers in England der Prüfstein der Rechtgläubigkeit und Loyalität 
geworden." Uampbelfs Chief-Jzostices II, 335. Ja zu einer solchen Ausdehnung ist die 
öffentliche Meinung gegen diesen grossen Mann eingenommen worden, dass bis vor 
wenigen Jahren, wo Lord Brougham sein Leben schrieb, in der Englischen Sprache 
kein Buch vorhanden war, das auch nur eine leidliche Nachricht von einem der ein- 
flussreichsten Schriftsteller gab, die Frankreich hervorgebracht hat. Dieses Werk Lord 
Brougham's ist zwar nur eine mittelmässige Leistung, aber wenigstens eine aufrichtige, 
und da es mit dem allgemeinen Geist unserer Zeit harmonirt, so hat es wahrscheinlich 
bedeutenden Einfluss gehabt. Er sagt darin über Voltaire: "Und seit den Tagen 
Luthefs kann kein Name genannt werden, dem der Geist der freien Untersuchung 
oder vielmehr die Emancipation des menschlichen Geistes von geistlicher Tyrannei 
eine grössere und dauerndere Schuld der Dankbarkeit abzutragen hätte." Brouglzmrfs 
Lzfe of'Voltaz're, 132. Es ist gewiss, je besser die Geschichte des 18. Jahrhunderts 
verstanden wird, desto mehr wird der Ruhm Voltaire's wachsen, wie dies ein berühm- 
ter Schriftsteller fast schon eine Generation früher vorausgesehen hat. 1831 schrieb 
Lerminier die merkwürdigen, und wie die Erfahrung gelehrt hat, prophetischen Worte: 
„Il 0st temps de revenir ä des sentimens plus respectuaux pour Za mämoire de Pbltaire. 
Voltaire a fault pour In Fwmcc ce que Leibnitz a fait pour l'Allemagne; pendumt 
trois-quarts de siäcle il a repräsenfä son pays, puissant ä la maniäre de Luther et de 
Napoläon; il es! destinä ä survicre ä bien des gloires, et" je plßing 69m,- qm M Song 
ozoblids jlzasqzßä ldisser tomber des paroles dädazlqneuses sur le yänie de cet lzamvne." 
Leraninier, Plrilos. du droit, I, 199. Vergleiche die glühende Lobrede in Longclmmp 
et Wagniäre, Mäm. sur V oltaire IT, 388, 359 mit den Bemerkungen von Saint- 
Lambert, in Mäm. dÄEßinay I, 263. 
430) Vie de Montesquicu XIV, seinen Werken vorgedruckt.
        

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