Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013556
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Literatur in 
Historische 
Frankreich 
Diese beiden Stände haben wahrlich hinlänglichen Grund für 
den Hass, mit dem sie noch immer auf den grössten Franzosen 
des 18. Jahrhunderts hinblicken. Denn Voltaire that mehr als 
irgend ein anderer Mensch die Fundamente der geistlichen Macht 
zu untergraben, und das Vorherrschen der klassischen Studien zu 
zerstören. Hier ist nicht der Ort die theologischen Meinungen zu 
besprechen, die er angriff, aber von dem Zustand der klassischen 
Studien kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man einige 
Umstände betrachtet, welche die Alten über ihre Geschichte be- 
richten, und welche bis zu Voltaire's Erscheinen von den neueren 
Philologen und durch sie von dem ganzen Volke ohne Weiteres 
geglaubt wurden. Man glaubte, in alten Zeiten habe Mars eine 
Jungfrau geschwächt und die Sprösslinge dieser Liebschaft wäre 
niemand anders gewesen, als Romulus und Remus. Beide sollten 
getödtet werden, wurden aber glücklich durch die Aufmerksamkeit 
einer Wölfin und eines Baumhackers gerettet. Die Wölfin säugte 
sie, und der Baumhacker pickte ihnen die Insecten weg; es wurde 
ferner geglaubt, Romulus und Remus hätten, als sie zu Männern 
aufgewachsen waren, den Entschluss gefasst, eine Stadt zu bauen, 
und es sei ihnen mit Hülfe der Nachkommen Trojanischer Krieger 
gelungen, Rom zu gründen. Man glaubte, beide Brüder wären zu 
einem frühzeitigen Ende gekommen, Remus sei ermordet und Ro- 
mulus von seinem Vater in den Himmel hinaufgeholt worden. 
Dieser war zu dem Zwecke in einem Donnerwetter herab gekom- 
men. Dann fuhren die grossen Gelehrten fort zu erzählen, wie 
verschiedene Könige auf einander gefolgt wären._ Unter ihnen war 
der merkwürdigste Numa, der mit seinem Weibe nur in einem 
heiligen- Haine verkehrte. Ein anderer Souverain von Rom war 
Tullus Hostilius. Dieser hatte die Geistlichkeit beleidigt und starb 
an den Folgen ihres Zornes; sein Tod wurde durch einen Blitz- 
Strahl herbeigeführt, und eine Seuche war ihm vorausgegangen. 
Dann kommt ein anderer, Servius Tullius, auch ein König, und 
seine Grösse war vorher angedeutet worden durch Flammen, die 
um seinen Kopf herum erschienen, als er in seiner Wiege lag. 
Nach alledem war es von geringer Bedeutung, dass die gewöhn- 
lichen Gesetze der Sterblichkeit unterbrochen wurden; und man 
versichert uns, diese unwissenden Barbaren, die ersten Römer 
hätten 245 Jahre unter der Regierung von nur 7 Königen zuge- 
bracht, die alle in ihren besten Lebensjahren erwählt, von denen 
einer aus der Stadt vertrieben und drei getödtet worden wären.
        

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