Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013546
des 
Ende 
VOTl1 
des 
bis Ende 
Jahrhunderts. 
279 
griife und Maassstäbe des Verfahrens einzuführen, welche vielleicht 
für frühere Zeiten passten, aber von dem Fortschritt der Gesellschaft 
weit überholt worden sind, und für die wir wirklich nichts mehr 
fühlen können, obgleich sie jenes krankhafte und künstliche Inter- 
esse erregen mögen, welches die klassischen Vorurtheile der ersten 
Erziehung noch immer hervorzubringen Wissen. 
Gegen diese Uebelstände trat Voltaire in die Schranken. Den 
Witz und Spott, womit er die träumenden Schulgelehrten seiner 
Zeit angriff, wissen nur die zu schätzen, die seine Werke studirt 
haben. Nicht, wie man wohl angenommen hat, dass er diese 
Waffen statt der Beweise gebrauchte! noch viel weniger {iel er in 
den Irrthum, den Spott zum Prüfstein der Wahrheit zu machen. 
Niemand konnte scharfer argumentiren als Voltaire, wenn dies 
seinem Zwecke diente. Aber er hatte mit Leuten zu thun, die 
keiner Beweisführung zugänglich waren, Leute, denen ihre unge- 
hörige Verehrung für das Alterthum nur zwei Gedanken im Kopfe 
übrig gelassen hatte, nämlich, dass alles Alte richtig und alles 
Neue unrichtig sei. Gegen solche Meinungen mit Beweisen aufzu- 
treten, würde überilüssig sein, und es blieb nur übrig, sie lächerlich 
zu machen, und ihren Einfluss dadurch zu schwachen, dass man 
ihre Urheber der Verachtung Preis gab. Dies war eine der Auf- 
gaben, die Voltaire sich setzte; und er erfüllte sie vortrefflich. m) Er 
brauchte also den Spott nicht als Prüfstein der Wahrheit, sondern. 
als Geissel der Thorheit; und mit solchem Nachdruck theilte er 
die Strafe aus, dass sich nicht nur die Pedanten und Theologen 
seiner Zeit unter der Geissel krümmten, sondern dass selbst ihren 
Nachkommen die Ohren geilen, wenn sie seine heissenden Worte 
lesen; und sie rächen sich damit, dass sie das Andenken des 
grossen Schriftstellers verleumden, dessen Werke ihnen ein Dorn 
im Auge sind, und dessen blossen Namen sie mit unverhohlenem 
Abscheu aussprechen. 
493) Wir- können uns am besten durch die jesuitische Wuth, mit der 61' {erfolgt 
wurde, davon eine Vorstellung machen, wie vortrefflich er die Schwäche und die An- 
massung der Ausleger der Alten gezeichnet hatte, die in den _Sehulen und Akedemieen 
glänzten und grossen Ruhm erlangt hatten durch ihre mannigfaltige und reichlich zur 
Schau getragene Gelehrsamkeit." Schlot-sei's 18. Jahrhundert I, 120. Und 270 sägt 
Schlosser: "Nur ein Mann von Voltairds Witz und Talent kvllnte das Lieht einer 
ganz neuen Kritik über der Finsterniss dieser mühseligen und pedantischen Sammler 
leuchten lassen."
        

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