vom Ende
des
des
bis Ende
Jahrhunderts.
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Autors entsprang, finden wir ganz dieselbe Richtung in den Werken
Montesquiews und Turgofs, der beiden ausgezeichnetsten Zeitge-
nossen Voltaire's. Beide befolgten insofern eine ähnliche Methode
wie Voltaire, als sie die Beschreibung von Königen, Höfen und
Schlachten wegliessen und sich auf die Punkte beschränkten,
welche den Charakter der Menschheit und den allgemeinen Gang
der Civilisation aufklären. Und diese Abweichung von der alten
Routine War so populär, dass auch untergeordnetere, aber immer
noch werthvolle Historiker ihren Einfluss fühlten. 1755 gab Mal-
letm) sein interessantes und zu seiner Zeit höchst werthvolles
Werk über die Geschichte von Dänemark heraus, '04) in dem er
sich einen Schüler der neuen Richtung nennt. „Denn, sagt er,
warum sollte die Geschichte n1u' eine Erzählung von Schlachten,
Belagerungen, Intriguen und Unterhandlungen sein? Und warum
sollte sie nur einen Haufen von unbedeutenden Thatsachen und
Jahreszahlen enthalten, statt ein grosses Gemälde der Meinungen,
Sitten und selbst der Neigungen eines Volks." Wi") Und so ver-
öffentlichte Mably den ersten Theil seines berühmten Werkes über
die Geschichte Frankreichs, w") in dessen Vorrede er sich beklagt,
die Historiker "hätten den Ursprung der Gesetze und Sitten zu
Gunsten von Belagerungen und Schlachten vernachlassigtßwl) In
demselben Geiste drücken Velly und Villaret in ihrer bändereichen
Geschichte von Frankreich ihr Bedauern darüber aus, dass die
103) Mallet war zwar in Genf geboren, aber dennoch seinen geistigen Gewohn-
heiten nach Franzose: er schrieb Französisch und wird unter die Französischen Histo-
riker gerechnet in dem Bericht der Akademie an Napoleon. Dacier, Raxpp. sur Zes
proyräs de l'histoire.
404) Goethe erwähnt in seiner Selbstbiographie seine Verpflichtung gegen dies Werk,
Welches vermuthlich einen bedeutenden Einüuss auf seine frühesten Vorstellungen
hatte: „Ich hatte die Fabeln der Edda schon längst aus der Vorrede zu Mal1et's
Dänischer Geschichte kennen gelernt, und mich derselben sogleich bemächtigt; sie
gehörten unter diejenigen Märchen, die ich, von einer Gesellschaft aufgefordert, am
liebsten erzählte." Wahrheit und Dichtung, Goethe's Werke, Bd. II, Th. II, 169.
Percy, ein competenter Richter, urtheilte sehr günstig über Mallefs Geschichte; ja, er
übersetzte sie sogar zum Theil. Siehe einen Brief von ihm in Niokolsär Illustrations
cf the 18th century VII, 719.
'05) Mallefs Nortkem antiqu. ed. Blackell 1847, 78.
m) Die beiden ersten Bände wurden 1765 ausgegeben, die beiden folgendenl790.
Biog. univ. XXVLVQ, 12.
407) Mably, Observ. sur Phist. de Fmnve, V01. I, p. II. Vergl. auch III, 289,
aber diese letztere Stelle wurde mehrere Jahre später geschrieben.