Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013446
des 
vom Ende 
des 
bis Ende 
Jahrhunderts. 
269 
über die beschrankten Gesichtspunkte Bossuets, sondern selbst 
über seine eigene frühere Geschichte zu reden. Dennoch ist es 
nicht zu leugnen, dass wir Vorurtheile darin finden, von denen 
sich ein Franzose, der unter Ludwig XIV. erzogen war, nur mit 
grcsser. Noth ganz frei machen konnte. Voltaire verweilt nicht 
nur unnöthig lange bei den Vergnügungen und Ausschweifungen 
Ludwigs, welche die Geschichte nur wenig angehen, sondern zeigt 
auch offenbar Neigung, den König selbst zu begünstigen, und 
seinen Namen gegen die Infamie zu schützen, die ihm zukommtfls) 
Aber das nächste Werk von Voltaire zeigte, dass dies blcs 
ein persönliches Gefühl war, und seine allgemeinen Ansichten über 
den Antheil, welchen man den Thaten der Fürsten in der Ge- 
schichte anweisen müsse, nicht bestimmte. Vier Jahre nach dem 
Erscheinen des "Zeitalters Ludwigs XIV." verötfentlichteer seine 
wichtige Abhandlung über die Sitten, die Gebräuche und den 
Charakter der Nationenß") Dies ist nicht nur eins der bedeutend- 
sten Bücher, die im 18. Jahrhundert erschienen, sondern es ist 
noch immer das beste über diesen Gegenstand. Schon die Belesen- 
heit, von der es Zeugniss giebt, ist ungeheuer gross. 10") Was 
93) Diese Neigung Ludwig XIV. zu begünstigen hebt Condorcet hervor. Er sagt, 
es sei das einzige Vorurtheil seiner Jugend, das Voltaire nicht habe abschütteln 
können: "c'est le seul pwfiuge de m jemzesse, qu'il ait conservef." Oondowet, Vie de 
Voltaire, in Oewv. de Voltaire I, 286. Ueher diesen Mangel s. auch Grimm et Diderot, 
Uorresp. lit. II, 182; Lemoniey, Etabliss. monarchique 451, 452; Mein. de Brissot, 
II, 88, 89. Es ist interessant, dass Voltairäs frühere Ansichten Ludwig XIV. noch 
günstiger waren, als die er später in seiner Geschichte ausspricht. Siehe einen Brief, 
den er 1740 an Lord Harvey schrieb und der Oeueres LVIII, 57-63, abgedruckt ist. 
99) Burton sagt in seinem interessanten Werke Life und carresp. of Hume II, 
129, dass es zuerst 1'759 herausgekommen sei; Querru-d, Fwmce litäraire X, 359 giebt 
dieselbe Jahreszahl und er ist ein sehr genauer Bibliograph; Uondorcei, Vie de Vol- 
taire 199 und Lord Brougltam, Mm qf leitet-s I, 98 werden sich also wohl irren, 
wenn sie 1757 angeben. Im Titel übersetze ich "Moeurs" mit Uanorals und nwmners" 
(Sitten lllld Gebräuche); denn Tbcqueville braucht nßnoeurs" als gleichbedeutend mit 
nmores." Tpequeville, Dämocrat. an Aßnärique III, 50, 84. 
m) Oberflächliche Schriftsteller haben es so sehr in der Gewohnheit, Voltaire 
oberflächlich zu nennen, dass es nicht ungehörig erscheint, zu erwähnen, dass seine 
Sorgfalt nicht nur von seinen Landsleuten, sondern auch von manchen anerkannten 
Englischen Gelehrten gelobt worden ist. Drei merkwürdige Beispiele und bei Män- 
nern, die niemand beschuldigen wird, dass sie sonst zu seinen Ansichten hinneigten, 
siehe Notes to Charles V. in Robertsorüs Werks 431, 432; Barringtorfs Obsere. Ofll 
tlte statutes 293; und WartonÖs Hist. of English Poetry v. I, p. XVI. Selbst Sir 
W. Jones in seiner Vorrede zu dem Leben Nadir Schah's sagt: "Voltaire ist der beste
        

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