Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013428
des 
vom Ende 
bis Ende 
des 
Jahrhunderts. 
267 
Schule der Geschiehtschreibung im 18. Jahrhundert. Und dieses 
Verfahren findet sich dann bei allen folgenden Historikern, keiner 
von ihnen kam wieder auf die Methode zurück, welche zwar den 
Zwecken der Theologen dient, aber unabhängigen Untersuchungen 
verderblich wird, denn sie schreibt nicht nur den Weg vor, den 
der Forscher zu nehmen hat, sondern zieht auch wirklich eine 
Grenze, über die er nicht hinausschreiten darf. 
Dass Voltaire diese alte Methode schon im 13. Jahre nach 
dem Tode Ludwigs XIV. verliess, und dass er dies in einem 
populären Werke that, welches voll von so gefährlichen Abenteuern 
ist, die den Geist leicht zu einem entgegengesetzten Verfahren ver- 
leiten, ist ein ungewöhnlich verdienstlieher Schritt, und wird noch 
bemerkenswerther, wenn man ihn mit einer andern Thatsaehe von 
bedeutendem Interesse in Verbindung bringt. Diese ist, dass das 
Leben Karl's XII. nicht nur die erste Epoche im 18. Jahrhundert, 
sondern auch im Geiste Voltairds selbst darstelltß") Als es her- 
ausgegeben war, verliess dieser grosse Mann eine Weile die Ge- 
schichte, und richtete seine Aufmerksamkeit auf einige der edelsten 
Gegenstände, auf Mathematik, Physik, Jurisprudenz, die Entdeckun- 
gen Newton's und die Speculationen Locke's. In diesen Dingen 
sah er die Fähigkeiten des menschlichen Geistes, die sein Vater- 
land früher besessen hatte, aber von denen unter der Regierung 
Ludwigs XIV. fast das Andenken verschwunden war. Dann kehrte 
er mit erweiterten Kenntnissen und geschärftem Verstande auf das 
grosse Feld der Geschichte zurüekfm) Die Art und Weise, wie. er 
jetzt seinen alten Gegenstand behandelte, zeigte, welch eine Ver- 
s") Man sieht aus Vo1taire's Correspondenz, dass er sich "nachher einigermassen 
der Lobsprüche schämte, die er Karl XII. gezollt. 1735 schreibt er an De Formont: 
"Si Charles XII nülvuait pds ele excessivement gmnd, malheureux, et jbu, je me serais 
[n'en donne de garde de parler de lui." Oeuv. de Voltaire, LVI, 462. 1758 geht 
er noch weiter und sagt von Karl: "Voilä, monsieur, ce que les hommes de tous les 
femps et de lous les pays appellent 1m keros  1121168 c'est le vmlgaire de tous les lempa 
ß! de lous les pays qui dorme w 110m ä la saqf du cdrnage." Ibid. LX, 411. 1759 
schreibt er, dass er sich mit der Geschichte Peter's lies Grossen beschäftige: "Mais je 
deute, que eela soit aussi amusvlnt gue la wie de Charles XII; ew oe Plewe "zum"; 
qu'un sage extraordinaire, et Charles 1m fou extrawdinaire, qm" se battait, aome Don 
Quichotfe, contre des moulins ä vent." Üßßw- LXI, 233 Siehe auch 350- Dißäß 
Stellen beweisen, dass Voltaire fortdauernd Fortschritte machte in seiner Auffassung 
dessen, was Geschichte sein müsse und wozu Sie diene- 
9") 1741 spricht er von seiner zunehmenden Neigung zur Geschichte. Oarresp. in 
Oeuv. de Voltaire LI, 96.
        

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