Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013350
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Historische Literatur in Frankreich 
einer Erwähnung werth waren") Der grosse Apostel, der unter 
Millionen von Götzendienern die erhabene Wahrheit des Einen 
Gottes verbreitete, wird von Bossuet mit der grössten Verachtung 
behandelt, denn Bossuet, getreu dem Geiste seines Standes, konnte 
an Denen nichts zu bewundern finden, die von seiner eignen Mei- 
nung abwiehen; 73) aber wenn er irgend ein unbekanntes Mitglied 
der Klasse zu erwähnen hat, zu der er selbst gehört, dann schüttet 
er sein Lob mit unbegrenzter Freigebigkeit aus. In seinem Plan 
der Universalgeschiehte verdient Mahomed keine Rolle zu spielen. 
Er wird übergangen; aber der wahrhaft grosse Mann, der Mann, 
dem das ganze Menschengeschlecht wirklich zu Dank verpflichtet 
ist, das ist  Martin, Bischof von Tcurs. Seine unvergleichlichen 
Thaten, sagt Bossuet, erfüllten die ganze Welt mit seinem Ruhme, 
sowohl Während seines Lebens, als nach seinem Tode. 74) Freilich, 
nicht ein gebildeter Mann unter Funfzigen hat jemals den Namen 
Martin's, Bischofs von Tours, gehört; aber Martin that Wunder, und 
die Kirche hat ihn zu einem Heiligen gemacht; seine Ansprüche 
auf die Aufmerksamkeit des Historikers waren daher viel grösser, 
als die Ansprüche eines Mannes wie Mahomed, der sich dieser 
Vortheile nicht rühmen konnte. So wird nach der Meinung des 
einzigen ausgezeichneten Historikers unter Ludwig XIV. der grösste 
Mann, den Asien je hervorgebracht, und einer der grössten den die 
Welt je gesehen, in jeder Hinsicht einem gemeinen unwissenden 
Möneh untergeordnet; dessen grösste That die Errichtung eines 
Klosters war, und der den besten Theil seines Lebens in unnützer 
72) „1,e faux po-ophete dumm ses victoires pom- toute marque de m mission." 
Bossuet, p. 125. 
73)VDie grössten mahomedanischen Schriftsteller haben immer erhabenere Ideen 
über die Gottheit ausgesprochen, als die Mehrheit der Christen hegt. Der Koran 
enthält schöne Stellen über den einen Gott, und was die Ansichten ihrer gewöhnlichen 
Theologen betriift, so kann ich eine interessante mahomedanische Predigt aus den 
Transaetions of the Bombay Sooiety I, 146-158 anführen. Siehe auch III, 398-448, 
eine Abhandlung von Vans Kennedy; und vergleiche eine merkwürdige Stelle beson- 
ders wegen des Ortes, woher sie stammt, in der Auiobiograplzy vf ihe Empcror Jehun- 
gueir, 44. Die so gedankenlos sind, zu glauben, Mahomed sei ein Heuchler ge- 
wesen, sollten lieber die vortrefflichen Bemerkungen von Comle, Philos. pos. V, 76, 77, 
studiren, der sehr wahr sagt: Hqzdun komme vraiment supe'1'iezoo' n'a jtlhZtli-Y pu exereer 
dumme grand aetizm sur ses semblables Sam 51W d'abord Zui -me1ne intimement can- 
vaincu." 
74) Samt-Martin fut fait äväque de Tom's, e! remplit tout Funivers du bruit de m 
au-intetü et de ses miracles, durant sa m'a, et apres sa onwrt." Bossuet, Hist. univ. lll.
        

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