Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013308
vom Ende 
des 
Ende 
bis 
des 
Jahrhunderts. 
255 
Antichrists und die Verbindung dieses wichtigen Ereignisses mit 
dem Schicksale der Französischen Monarchie muss sie mit heiligem 
Schauder erfüllt haben. Mit frommer Verwunderung müssen sie 
die Beleuchtung dieser Gegenstände aus den Schriften der Kirchen- 
väter und dem Briefe an die Thessalonieher vernommen haben. 
Sie müssen dies alles leicht hingenommen haben, denn die Anbe- 
tung des Königs und die Verehrung der Kirche waren die zwei 
Hauptgrundsätze jener Zeit. Zu gehorchen und zu glauben waren 
die Grundgedanken einer Periode, in der die schönen Künste eine 
Zeitlang blühten, in welcher die Auffassung der Schönheit obgleich 
zu wählerisch, ohne Zweifel scharf war,  in der Geschmack und 
Phantasie in ihren niedern Regionen mit Eifer gepflegt wurden,  
in der aber auf der andern Seite Originalität und Unabhängigkeit 
des Gedankens ausgelöscht, die grössten und weitreichendsten 
Gegenstände zu erörtern verboten, die Wissenschaften fast verlas- 
sen, Reformen und Neuerungen gehasst, neue Gedanken verachtet 
und ihre Urheber bestraft wurden, bis zuletzt das üppige Genie 
bis zur Unfruchtbarkeit gezähmt und die nationale Intelligenz zu 
jener dumpfen und eintönigen Mittelmässigkeit heruntergebracht 
wurde, welche die letzten 20 Jahre der Regierung Ludwigs XIV. 
charakterisirt. Nirgends können wir ein besseres Beispiel dieser 
reactionären Bewegung finden, als in dem Falle Bossuefs, Bischofs 
von Meaux. Der Erfolg, ja sogar die blosse Existenz seines Werks 
über allgemeine Geschichte wird unter diesem Gesichtspunkt höchst 
lehrreich. An sich selbst betrachtet ist das Buch die peinliche 
Blossstellung eines grossen Genies verzerrt durch ein abergläubi- 
sches Zeitalter; aber in Beziehung auf die Zeit, in der es erschien, 
ist es ein unschätzbares Symptom des Französischen Geistes; denn 
es beweist, dass am Ende des 17. Jahrhunderts einer der ausge- 
zeichnetsten Männer in einem der ersten Länder Europe's sich 
willig der Demüthigung des Verstandes unterwerfen und eine blinde 
Leichtgläubigkeit entfalten konnte, deren sich in unsern Tagen_selbst 
die schwächsten Köpfe schämen würden, und dass dies so wenig 
Anstoss erregte, oder Tadel auf das Haupt des Verfassers häufte, 
dass es vielmehr mit allgemeinem und unbedingtem Beifall aufge- 
nommen wurde. Bossuet war ein grosser Redner, ein vollendeter 
Dialektiker und jener unbestimmten Erhabenheit vollkommen n1äch- 
tig, wodurch die meisten Menschen sich so leicht hinreissen lassen. 
Alle diese Eigenschaften verwendete er einige Jahre später auf die 
Hervorbringung eines Werkes, welches wohl das furchtbarste ist,
        

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