Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010884
VOID 
bis zum 
J ahrh. 
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grosse Schritt zur religiösen Freiheit von dem Geiste des Skepticis- 
mus begleitet gewesen sei, ohne den man überall nie etwas von 
Duldung gewusst hat. Und dass dies wirklich der Fall war, lässt 
sich leicht durch eine Untersuchung des Uebergangs beweisen, in 
den Frankreich gegen das Ende des 16. Jahrhunderts einzutreten 
begann. 
Die Schriften von Rabelais werden oft für das erste Beispiel 
von religiösem Skepticismus in der Französischen Literatur ange- 
sehen. 33) Aber nach einer ziemlich genauen Bekanntschaft, die 
ich mit den Werken dieses ausgezeichneten Mannes gemacht, habe 
ich diese Ansicht durchaus nicht gerechtfertigt gefunden. Es ist 
wahr, er behandelt die Pfaden mit der grössten Verachtung, und 
nimmt jede Gelegenheit wahr, sie lächerlich zu machen. 34) Seine 
Angriffe gehen jedoch allemal auf ihre persönlichen Laster und 
nicht auf den beschränkten unduldsamen Geist, dem diese Laster 
hauptsächlich zuzuschreiben sind. In keinem Falle zeigt er irgend 
etwas von consequentem Skepticismtis, 35) noch scheint er es ein- 
zusehen, dass die schmähliche Lebensart der Französischen Geist- 
lichkeit nur die unvermeidliche Folge eines Systems war, das bei 
all seiner Verderbtheit noch vollkommen den Anschein von Kraft 
und Lebensfahiglaeit hatte. Ja, die ausserordentliche Popularität, 
die er genoss, ist fast allein schon entscheidend; denn niemand, 
33) Ueber Rabelais, den man für den Gründer des Französischen Skepticismus 
hielt, vergl. Lavalläe, Hist. des Frangais II, 306; Stcplaens Lecturcs an tlie history of 
Fmnce II, 242; Sis-znondi XVI, 376. 
34) Vorzüglich die Mönche. Siehe I, 278, 282, II, 284-85 von Oeuvres de 
Rubelais, Amsterdam 1725. Auch die hohen Würdenträger der Kirche schont er nicht, 
denn er sagt, dass Gargantua, „iS'e anorvait m arclzidiacre" I, 132, und zweimal lII, 
65, IV, 199-200 macht er eine sehr unanständige Anspielung auf den Papst. In 
I: 250, 261 satirisirt er die Art und Weise, wie der Gottesdienst verrichtet wurde: 
"Dom luy dist le moyne: Je m; dors jamais ä man aise, sinon quvmd je suis am ser- 
"Wm, im quand je prie Dieu." 
35) Sein Scherz über die Stärke Simson's II, 29; 30 und seine Verspottnng eines 
der mosaischen Gesetze HI, 34, sind im Uebrigen mit seinem Buche so Wenig im 
Zusammenhang, dass es nicht scheint, als gehörten sie zu seinem allgemeinen Plane. 
Die Commentatoren, die bei jedem Schriftsteller, den sie mit Anmerkungen versehen, 
9111611 verborgnen Sinn entdecken, haben Rabelais nach den höchsten Dingen streben 
lassen, als suchte er die umfassendsten soeialen und religiösen Reformen zu. bewirken. 
Daran zweifle ich sehr. Jedenfalls linde ich keinen Beweis dafür, "und muss mich zu 
der Ansicht bekennen, dass Rabelais einen grossen Theil seines Rufes der Dunkelheit 
ßeiuer Sprache verdankt, Ueber die entgegengesetzte Ansicht und für seine umfassen- 
den Gesichtspuncte siehe eine kühne Stelle in Uvleridye, Liz. renzains I, 138, 139.
        

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