Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013087
der Franz. 
Frühere Ursachen 
Revolution. 
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ten sie den zweiten. In England durfte man sein eigenes Urtheil 
über die heiligsten Gegenstände anwenden, und sobald die Men- 
schen durch die Verminderung ihrer Leichtglaubigkeit der Macht 
des Klerus eine Grenze gesetzt hatten, erfolgte sogleich religiöse 
Duldung, und Wurde der N ationalwohlstand nie gestört. In Frank- 
Yeißh erhöhte ein aberglaubischer König die Macht der Geistlich- 
keit, der Glaube usurpirte den Platz der Vernunft, nicht der leiseste 
Zweifel durfte sich hören lassen, und der Geist der Forschung 
wurde erstickt bis das Land an den Rand des Verderbens her- 
untergebracht war. Hätte Ludwig XIV. sich nicht in den natür- 
lichen Fortschritt eingemischt, so würde Frankreich, wie England, 
auf dem Wege des Fortschritts weiter gegangen sein. Nach seinem 
Tode war es nun freilich zu spät, die Geistlichkeit noch zu retten; 
die ganze Intelligenz der Nation trat sehr bald gegen sie in die 
Schranken; aber die Gewalt des Sturmes hätte sich vielleicht noch 
brechen lassen, wenn die Regierung Ludwigs XV. versöhnt hatte, 
was unwiderstehlich war, wenn sie statt den wahnsinnigen Versuch 
zu machen, Ansichten durch Gesetze niederzuhalten, die Gesetze 
nach diesen Ansichten geändert hätte. Hatten die Beherrscher von 
Frankreich nicht den Versuch gemacht, die Nationalliteratur zum 
Schweigen zu bringen, sondern vielmehr ihrem Rathe nachgegeben, 
und wäre vor dem Druck des fortschreitenden Wissens zurück- 
gewiehen, so würde der verderbliche Zusammenstoss vermieden 
worden sein; denn die Leidenschaften, die den Zusammenstoss 
herbeiführten, würden besänftigt worden sein. In diesem Falle 
wäre die Kirche etwas eher gefallen, der Staat selbst aber würde 
sich gerettet haben. In diesem Falle würde Frankreich aller Wahr- 
scheinlichkeit nach seine Freiheit gesichert haben, ohne seine Ver- 
brechen zu vermehren; und dieses grosse Land, welches nach 
seiner Lage und seinen Mitteln ein Muster der Europäischen Civi- 
lisation sein sollte, Ware vielleicht der Feuerprobe jener fürchter- 
lichen Grausamkeiten entgangen, die es durchmachen musste, und 
von deren Folgen es sich noch nicht wieder erholt hat. Ich glaube, 
man muss zugeben, dass es wenigstens in der ersten Hälfte der 
Regierung Ludwigs XV. möglich war, durch zeitgemässe Zuge- 
standnisse die politischen Institutionen Frankreichs noch zu retten. 
Reformen waren nothwendig gewesen, und zwar Reformen im 
grossen Stile und von unnachsichtlicher Strenge. So weit jedoch, 
als ich im Stande bin, die wahre Geschichte jener Periode zu ver- 
stehen, zweifle ich nicht daran, waren sie frei und willig zuge-
        

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