Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013056
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Ursachen 
Frühere 
der 
Franz. 
Revolution. 
sie ihr nicht entgehen. Wir, die wir diese Dinge mit einem andern 
Maassstabe messen, besitzen ein Urtheil darüber, welches sie un7 
möglich haben konnten. Wir würden jetzt einen solchen Irrthum 
nicht begehen, denn wir wissen, dass keine Priesterschaft in der 
Welt irgend etwas mit den Interessen des Ohristenthums zu thun 
hat. Wir wissen, dass die Geistlichkeit für das Volk und nicht 
das Volk für die Geistlichkeit da ist. Wir wissen, dass alle Fragen 
des Kirchenregiments keine Sache der Religion, sondern (1.31- 
Politik sind, und nicht nach überlieferten Dogmen, sondern nach 
freien Ansichten allgemeiner Zweckmässigkeit entschieden werden 
müssen. Weil diese Sätze jetzt von allen aufgeklärten Männern 
zugegeben werden, so sieht man in unserm Vaterlande die Wahr- 
heiten der Religion selten von andern, als oberflächlichen Denkern 
angegriffen. Wenn wir z. B. finden sollten, dass unsere Bischöfe 
mit ihren Privilegien und ihrem Reichthum dem Fortschritt der 
Gesellschaft nicht günstig sind, so würden wir darum noch keine 
Feindschaft gegen das Ghristenthum fassen, denn wir würden uns 
überlegen, dass das Episcopat etwas Zufälliges und nichts Wesent- 
liches ist, und dass wir die Einrichtung abschaffen, und doch die 
Religion beibehalten können. Ebenso wenn wir je finden sollten, 
wie man es damals in Frankreich fand, dass der Klerus tyrannisch 
wäre, so würde uns dies nicht zur Opposition gegen das Christen- 
thum, sondern bloss gegen die äussere Form, die das Christenthum 
angenommen hat, aufregen. So lange unsre Geistlichkeit sich auf 
die wohlthätigen Pflichten ihres Berufs, auf die Linderung von 
Schmerz und Trübsal, seien sie körperlich oder geistlich, beschränkt, 
so lange werden wir sie als die Diener des Friedens und der 
christlichen Liebe achten. Aber wenn sie jemals in die Rechte 
der Laien übergreifen sollten, -wenn sie je mit einer Stimme der 
Autorität sich in die Regierung des Staats einmischen sollten,  
dann wird es an dem Volke sein, die Frage aufzuwerfen, ob nicht 
die Zeit gekommen sei, die kirchliche Verfassung des Landes zu 
revidiren. So also sehen wir jetzt diese Dinge an. Was wir von 
den Geistlichen denken, wird von ihnen selbst abhängen, aber 
nichts damit zu thun haben, was wir vom Christenthum denken. 
Wir sehen die Geistlichkeit als eine Gesellschaft von Männern an, 
die ungeachtet ihrer Neigung zur Unduldsamkeit und ungeachtet 
einer gewissen Beschränktheit, die ihre Profession mit sich bringt, 
ohne Zweifel einen Theil einer grossen und edlen Einrichtung 
bilden, durch welche die Sitten der Menschen gemildert, ihre Leiden
        

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