Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010872
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des Franz. 
Geschichte 
Geistes 
nicht die geringste Sympathie. Um der wechselnden Politik seiner 
Zeit willen hatte er schon zweimal seine Religion gewechselt; 
und er nahm "keinen Anstand, sie zum drittenmale 29) zu Wechseln, 
als er fand, dass er dadurch seinem Vaterlande die Ruhe sichern 
könne. Da er so viel Gleichgültigkeit gegen seinen eigenen Glauben 
gezeigt hatte, so konnte er anständiger Weise nicht viel Fanatis- 
mus gegen den Glauben seiner Unterthanen entwickeln. 30) Und 
so finden wir, dass er der Urheber der ersten öffentlichen Toleranz- 
Acte war, die irgend eine Regierung in Frankreich, .seit das Christen- 
thum die Landesreligion gewesen, bekannt gemacht. Schon im 
fünften Jahre seiner feierlichen Abschwörung des Protestantismus 
erliess er das berühmte Edict von Nantesßl) wodurch zum ersten 
Mal einer katholische Regierung Ketzern einen billigen Antheil 
bürgerlicher und religiöser Rechte zugestand. Dies war ohne Frage 
das wichtigste Ereigniss, das bisher in der Geschichte der Fran- 
zösischen Civilisation eingetreten. i") An sich betrachtet ist es 
bloss ein Beweis von den aufgeklärten Ansichten des Königs, aber 
wenn wir auf seinen allgemeinen Erfolg und das Aufhören der 
Religionskriege von der Zeit an sehen, so kann es uns nicht ent- 
_gehen, dass es nur zu einer grossen Bewegung gehörte, woran 
das Volk selbst Theil nahm. Wer die Wahrheit der Principien 
anerkennt, die ich aufzustellen versucht, wird erwarten, dass dieser 
von der Sorbonne haben die höchste Gewalt zur Züchtigung der Ketzer, welche sie 
mit Feuer in's Werk setzen, indem sie sie lebendig und langsam braten." Relat. des 
ambussad. Vänitiens I, 262, II, 24. 
'19) Clemens VIII. fürchtete nachher sogar noch einen vierten Ucbcrtritt.  
meinte noch immer, Heinrich IV. werde zuletzt vielleicht wieder zum Protestantismus 
zurückkehren, wie er es schon einmal gethan, Ranke, Die Päpste II, 246, Herr 
Ranke hat durch seine grosse Kenntniss italienischer Manuscripte mehr Licht über diese 
Vorgänge verbreitet, als die Französischen Historiker es gekonnt. 
 30) Ueber seinen Uebertritt, dessen Sinn damals ebenso offenbar war, als jetzt, 
vergl. Duplessis Mornay, Mäm. et corresp. I, 257 mit Sully, Oeconoanie royale II, 126. 
Siehe auch Howellä: Letters I, 42, und einen Brief von Sir H. Wotton von 1593, 
gedruckt in Reliquiae Wottonianae 7l1. Ranke, Civil war's in Fwmee II, 257, 355. 
Uapefigzee, Hist. de la reforme VI, 305, 358. 
34) Das Edict von Nantes war vom Jahre 1598; Sein Uebertritt im Jahr 1593. 
Sismondi, Hist. des Frangais XXI, 202, 486. Aber im Jahre 1590 wurde dem Papst 
als wahrscheinlich, wenn nicht als gewiss, mitgetheilt, dass Heinrich in den Sehooss 
der katholischen Kirche zurückkehren würde. Ranke, Die Päpste II, 210. 
 39) Sismondi sagt von diesem Edict: "Keine Epoche in der Französischen Geschichte 
bezeichnet vielleicht besser das Ende einer alten und den Anfang einer neuen Welt" 
Hist. des Frangais XXI, 489.
        

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