Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1013024
Frühere Ursachen der 
Franz. 
Revolution. 
227 
durch den Glanz ihres Herrschers geblendet, und fremde Länder 
durch die Grösse ihrer Siege eingeschüchtert werden möchten. 
Der Ausgang von alledem war, dass im Anfange des 18. Jahr- 
hunderts, als der Französische Geist zur Thatigkeit aufgestachelt 
wurde, der Gedanke, die Missbräuche der Monarchie anzugreifen, 
auch dem kühnsten Denker nicht in den Kopf kam. Aber unter 
dem Schutz der Krone war eine andere Institution erwachsen, 
gegen die man weniger zart fühlte. Der Klerus, der die Gewissen 
der Menschen so lange hatte unterdrücken dürfen, wurde nicht von 
den Nationalvorurtheilen geschützt, welche die Person des Königs 
umgaben; auch hatte keiner aus seinem Stande, mit der einzigen 
Ausnahme Bossuefs, viel dafür gethan, den Ruhm Frankreichs zu 
erhöhen. Ja, die Französische Kirche besass zwar unter der Re- 
gierung Ludwigs XIV. sehr viel Gewalt, hatte sie aber immer in 
Unterordnung unter die Krone ausgeübt, auf deren Befehl sie sogar 
gewagt hatte, sich dem Papste selbst zu widersetzen. 286) Es war 
daher natürlich, dass in Frankreich die geistliche Macht eher als 
die weltliche angegriffen wurde, weil sie eben so despotisch, aber 
weniger mächtig und durch populäre Ueberlieferung, die Haupt- 
stütze jeder alten Einrichtung, nicht geschützt war. 
Diese Betrachtungen erklären es hinlänglich, warum in dieser 
Hinsicht der Französische und Englische Geist so ganz verschiedene 
Wege einschlugen. In Englandwaren die Gemüther weniger in 
den Banden unbedingter Loyalität und konnten daher bei jedem 
grossen Schritte vorwärts ihre Zweifel und Forschungen sowohl 
gegen die Politik, als gegen die Religion richten, und so neben 
der Gründung ihrer Freiheit, ihren Aberglauben vermindern, wo- 
durch sie das Gleichgewicht des Nationalgeistes erhalten und keinem 
seiner beiden Seiten ein zu grosses Uebergewicht eingeräumt haben. 
Aber in Frankreich war die Bewunderung für das Königthuni so 
gross geworden, dass dieses Gleichgewicht gestört wurde; die Leute 
wagten sich mit ihren Forschungen nicht an die Politik, und rich- 
teten sieh so auf die Religion, wo sie das sonderbare Schauspiel 
gaben, eine reiche und mächtige Literatur zu erzeugen, in welcher 
9-96) Uapeßguds Louis XIV, I, 204, 301; Koch, Taölelw des Ylälßl- U, 16; Ranke 
Die Päpste II, 257 schreibt dies den Umständen zu, die mit dem Abfall Heinrich's IV. 
zusammenhingenk; aber die Ursache liegt viel tiefer und ist mit dem Siege der welt- 
lichen Interessen über die geistlichen, dessen Folge auch Heinrich's IV. Politik selbst 
War, verknüpft. 
15'
        

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