Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012992
224 
der 
Frühere Ursachen 
Franz. 
Revolution. 
Dies ist nicht der Weg, den man bei gesundem Zustande der Ge- 
sellschaft einschlagen würde, und es leidet keinen Zweifel, dass 
die Verbrechen und die gesetzlose Gewaltthätigkeit der Französi- 
schen Revolution zum grossen Theile dieser Eigenthümlichkeit 
zuzuschreiben sind. Offenbar müssen bei einem regelmässigen 
Fortschritt des Volks politische und religiöse Neuerungen mit ein- 
ander Schritt halten, und das Volk seine Freiheit vermehren, wah- 
rend es seinen Aberglauben vermindert. In Frankreich wurde 
umgekehrt fast 40 Jahre lang die Kirche angegriffen und die Re- 
gierung verschont. In Folge dessen wurde die Ordnung und das 
Gleichgewicht des Nationalgeistes zerstört; die Gemüther der Men- 
schen gewohnten sich an die kühnsten Speculationen, während ihre 
Handlungen von dem drückendsten Despotisnius gemeistert wurden, 
und sie fühlten sich im Besitz von Fähigkeiten, deren Anwendung 
ihre Herrscher ihnen nicht gestatten wollten. Als daher die Fran- 
zösische Revolution ausbraeh, war sie nicht eine blosse Erhebung 
unwissender Sklaven gegen gebildete Herren, sondern es war eine 
Erhebung von Männern, in denen die Verzweiflung, welche die 
Sklaverei erzeugte, durch die Mittel ihres fortgeschrittenen Wissens 
verstärkt wurde; von Männern, welche in jenem furchtbaren Zu- 
Stande waren, Wo der Fortschritt der Intelligenz dem Fortschritt 
der Freiheit voraneilt, und wo sich der Wunsch fühlbar macht, 
nicht nur eine Tyrannei aus dem Wege zu räumen, sondern auch 
einen Schimpf zu rächen. 
Diesem müssen wir ohne Zweifel manche von den gehässigsten 
Charakterzügen der Französischen Revolution zuschreiben. Es 
wird daher eine höchst interessante Frage, wie es zuging, dass in 
Frankreich eine grosse Bewegung statt fand, in der fast 40 Jahre 
lang die talentvollsten Männer die Freiheit vernachlässigten, wah- 
rend sie dem Skcpticismus Vorschub leisteten und die Macht der 
Kirche verminderten, ohne die Freiheiten des Volks zu vermehren, 
da doch in England politische Freiheit und religiöser Skepticismus 
zusammen gingen und sich einander forthalfen. 
anzugreifen. Ueber diese merkwürdige Thatsache, die mehrere Schriftsteller andeuten, 
aber keiner erklärt, vergleiche Lacretelle, X VIIIe aieale II, 305; Barruel, Mäm. pom- 
Phist. du Jaeobinisme I, p. XVIII; vol. 11, P- 113; lbcqzzeville, Lümcien räyime, 
p. 241; Alisonüs Europa I, 165; XIV, 285; Mäm. de Rivarol, p. 35; Soulavie, Rkgne 
de Louis XVI, IV, 397; Lamartiaze, Hist. des Girondms I, 183; Oeulvres de Foltazire 
LX, 307; LXVI, 34.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.