Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012932
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Ursachen 
Frühere 
der Franz. 
Revolution. 
Hand verbrannt zu werden. m) Dies war freilich das Schicksal 
fast aller der besten Erzeugnisse jener Zeit, und Diderot konnte 
sich glücklich schätzen, dass er bloss sein Eigenthum verlor, wenn 
er doch der Einkerkerung entging. Aber einige Jahre darauf 
schrieb er ein anderes Werk, worin er sagte, die Blindgebornen 
hatten Ideen, welche die Sehenden nicht hatten. Diese Behauptung 
ist keineswegs unwahrscheinlich 26") und enthält nichts, das Einen 
zu erschrecken zbrauchte. Die damaligen Regenten Frankreichs 
entdeckten jedoch eine verborgene Gefahr darin. Ob sie in der 
Erwähnung der Blindheit eine Anspielung auf sich vermutheten 
oder ob sie bloss durch ihre verkehrte Gemüthsverfassung geleitet 
wurden ist ungewiss; genug, der unglückliche Diderot wurde wegen 
dieses kühnen Ausspruchs verhaftet und ohne allen Prozess in den 
Kerker von Vincennes geworfen. 27") Die natürliche Folge traf 
ein. Diderots Werke gewannen an Popularität, 2") und im bren- 
nenden Hasse gegen seine Verfolger verdoppelte er seine Anstren- 
gungen, Institutionen zu stürzen, unter deren Schutz eine so unge- 
heure Tyrannei sicher in's Werk gesetzt werden konnte. 
Es ist kaum nöthig, mehr über diese unglaubliche Dummheit 
zu sagen, mit der die Beherrscher Frankreichs jeden Mann von 
aus) Dies waren die Pensäes philnsopleriqzaes 1746, sein erstes Originalwerk; die 
früheren waren Uebersetzungen aus dem Englischen. Biog. zmiv. XI, 314. Dzwernct, 
Vie de Voltaire 240, sagt, er sei wegen der Schrift ins Gefängniss geworfen worden, 
dies aber, glaube ich, ist ein Irrthum; wenigstens erinnere ich mich nicht, die An- 
gabe sonst wo gefunden zu haben und Duvernet ist oft nachlässig.  
169) Dngald Stewart, der wichtige Zeugnisse hierüber gesammelt hat, bestätigt 
manche von Diderofs Ansichten. Phil. of ÜLG mind III, 57 , 401, 407, 435. Seit- 
dem hat man noch mehr Sorgfalt auf die Erziehung der Blinden verwendet und die 
Bemerkung gemacht, dass „es äusserst schwierig ist, sie an scharfes Denkenzu ge- 
wöhnen." MÄAlisteWs Essay an the blind in dem Journ. of stat. soc. I, 378. Siehe 
auch Dr. Fowler, in dem Rep. of Brit. assoc. for 1847, Trdnsac. qf seo. 92, 93 und 
for 1848 , S. 88. Solche Stellen zeugen ohne es zu wollen für Diderofs Scharfsinn. 
und für die Dummheit und Unwissenheit einer Regierung, die solchen Untersuchungen 
ein Ziel setzen wollte durch die Bestrafung ihres Autors. 
370) Mem. et Corresp. de Diderot I, 26-29; Musset Palhay, V56 de Roummu 
I, 47, II, 276; Letter to d'Ar_qental in Oeuv. de Voltaire LVIII, 454; Lacretelle, 18e 
siecle Il, 54. 
971) Eine vortreffliche Einrichtung; so schlägt die Neugier die Tyrannei 1757 
schrieb ein scharfer Beobachter: „Il n'y d plus de liwes, qu'on imprime plusieurs 
fois, que les livres eondamnes. I! faut aujburflzui qu'un libraire prie les magistrats 
de brü-ler son liwe pour Ze faire vendre." Grimm, Uorresp. V, 498. Ebenso Mem. 
de Segur I, 15, 16; Mem. de George! II, 256.
        

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